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Auszug aus den Vögeln Europas von Manfred Giebing

Für unsere Vorfahren waren sie etwas Besonderes. So war der gekreuzte Schnabel schon ein göttliches Zeichen, bevor das christliche Symbol des Kreuzes bekannt wurde.

Die alten Germanen erkannten in dem gekreuzten Schnabel den Thorshammer. Der Name Christvogel bezieht sich wohl auf seine Brutgewohnheiten zum Weihnachtsfest, während sich Zigeunervogel auf seine Wanderlust bezieht, gezwungenermaßen um Nahrung zu haben von Samenangebot zu Samenangebot zu ziehen.

Wegen des gekreuzten Schnabels und weil er wie ein Papagei in den Ästen herumklettert wird er auch Tannenpapagei oder auch als "Papagei unserer Wälder" bezeichnet.

Früher dachte man, dass Kranke, gleich ob Landmann oder Gebirgler, wenn der gefangene Kreuzschnabel über sein Bett hing, ihn von seinem Leiden erlöste, deshalb die Namen Gichtvogel und Weadagsvogel (Weadaga = Schmerzen).

Zudem gab es zu mancherlei Aberglauben Anlass, weil tote Kreuzschnäbel, infolge ihres hohen Harzgehaltes, kaum oder erst nach langer Zeit sich zersetzten. Sie können als natürliche Mumien jahrelang erhalten bleiben.

Die Kreuzschnabelarten werden nach der Nahrung auf die sie sich spezialisiert haben auch benannt:

Der Fichtenkreuzschnabel nimmt hauptsächlich Samen der Fichte, der Kiefernschnabel nimmt hauptsächlich Samen der Kiefer und der Bindenkreuzschnabel nimmt hauptsächlich Lärchensamen zu sich. Kreuzschnäbel sind also mit ihren überkreuzten Schnabelspitzen die besten Nutzer der Nadelbaumzapfen. So hängt sich beispielsweise der

Fichtenkreuzschnabel an die Zapfen, steckt die gekreuzten Schnabelspitzen unter eine Schuppe, spreizt sie ab und holt mit der Zunge den Samen heraus. Auch die Jungen der Fichtenkreuzschnäbel werden mit Fichtensamen gefüttert. Man hat ausgerechnet, dass eine Brut allein bis zum Ausfliegen rund 85 000 Samen verzehrt.

Kreuzschnäbel können selbst bei großer Kälte, bis zu minus 35 ° Celsius noch brüten und ihre Jungen aufziehen.

Natürlich ist das dickwandige Nest noch besonders gut ausgepolstert. Das 1. Ei muss direkt nach dem Legen vom Weibchen bedeckt werden da es ja sonst erfriert. Die geschlüpften Jungen werden nach 10 Tagen nicht mehr vom Weibchen gehudert, das heißt, während die Eltern Nahrung beschaffen, können die Jungen verklammen (Torpidität) aber nach ein paar Minuten Hudern sind sie wieder aktiv.

Quelle: Die Vögeln Europas von Manfred Giebing