![]() |
Wieland wird der
Schmied König Nidungs
|
![]() |
|
Damals lebte ein König Namens Nidung, welcher über Jütland herrschte. Eines Tages fuhren des Königs Leute mit Netzen auf die See, um für die Tafel Fische zu fangen. Sie warfen die Netze und zogen sie ans Land und da war das Strandnetz so schwer, daß sie es kaum emporziehen konnten. Als sie nun nachsahen, da gewahrten sie, daß ein sonderbarer wundergroßer Baum hineingeraten war. Sie zogen der Fang ans Land und fanden, daß der Baum vorzüglich behauen war, weshalb sie ihn für einen Schatzbehälter hielten. Darauf sandten sie einen Mann zum König und baten ihn, er möge der Fund besichtigen. Als Nidung den Baum sah, gebot er, ihn zu untersuchen und zu erforschen, was darin wäre, weshalb sie mit Beilen in den Baum hieben. Als Wieland ihr Beginnen merkte, rief er ihnen zu und bat sie einzuhalten, weil ein Mensch in dem Stamme sei. Da sie die Stimme hörten, dachten sie, daß der böse Feind in dem Baum sei, sie erschraken gewaltig und liefen insgesamt davon. Da schloß Wieland den Stamm auf, trat vor Nidung und sprach: "Ich bin ein Mensch, o Herr, und kein Gespenst und ich möchte Euch sehr bitten, daß Ihr mir Frieden gebet, des Lebens sowohl wie des Gutes." Nidung sah, daß ein ausnehmend schöner Mensch und kein Kobold oder Schrat vor ihm erschien, und obwohl er auf geheimnisvolle, unheimliche Weise ins Land gekommen war, gab er ihm doch Frieden für Leib und Gut. Als der König sich wieder entfernt hatte, nahm Wieland sein Werkzeug und Gut und vergrub es unter die Erde samt dem Stamm. Niemand gewahrte das, als ein Ritter des Königs, Namens Regin, der als Späher zurückgeblieben war. Wieland weilte nun am Hofe Nidungs und war wohl gelitten, weil er sich als ein gewandter, höflicher und dienstfertiger Mann erzeigte. Sein Dienst aber bestand darin, daß er drei Messer verwaltete, welche auf des Königs Tisch lagen, wenn er speiste. Als er sich dort zwölf Monate aufgehalten hatte, geschah es, daß er an die See ging, um des Königs Messer zu waschen und zu reinigen. Da fiel ihm das beste Messer aus der Hand hinunter ins Meer, wo es so tief war, daß er jede Hoffnung aufgeben mußte, es wieder zu finden. Bekümmert ging Wieland heim, voll schwerer Gedanken wegen des verlorenen Messers. "Wehe mir," sprach er bei sich, "ich bin bei einem guten König, der mir einen geringen Dienst übertrug, und es war zu erwarten, daß er mir, wenn ich das Geringere wohl hütete, auch größeres anvertraut hätte. Nun aber habe ich des leichten Dienstes schlecht gewaltet, und jedermann wird mich einen ungeschickten Toren nennen." Quelle: Nordland Sagen, Paul Neff Verlag, 1895, von rado jadu 2001 |