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Die drei Königreiche vor der Kalmarer Union

Dänemark

Am stärksten und innerlich am gefestigsten stand am Ausgange der Wikingerzeit Dänemark da. Zwar war von dem Großreiche Knuts England und Norwegen bald wieder verlorengegangen. Ja, nach dem Tode des letzten der Söhne Knuts bestieg sogar Magnus der Gute von Norwegen Dänemarks Thron. Aber dessen Nachfolger wurde Knuts Neffe Sven, Sohn eines schwedischen Jarls mit Knut's Schwester Astrid, und das Haus Sven Estridsons hat das ganze Mittelalter hindurch bis zum Tode der Königin Margareta geherrscht. Seine Geschichte ist reich an blutigen Verwandtenfehden, aber es hat dem dänischen Reiche auch eine Reihe strahlender Heldengestalten gegeben.

Die Lage zwischen zwei Meeren gestattet Dänemark, seinen politischen Schwerpunkt sowohl nach der Nordsee wie nach der Ostsee zu verlegen, und da über dänisches Gebiet die natürlichste Verbindung von Mittel- nach Nordeuropa führt, mußte für die dänische Politik der Gedanke einer Beherrschung ganz Skandinaviens oder auch einer Südwärtsverlegung der schmalen Landesgrenze auf der Jütischen Halbinsel naheliegen. Alle vier Möglichkeiten hatte das Großreich Knuts zu vereinigen gesucht. Nach dessen Zusammenbruch trat die Nordseerichtung zurück, und in der Folge sehen wir die dänische Politik sich bald um die Ostseeherrschaft, bald um die Unterwerfung Skandinaviens und Norddeutschlands bemühen.

Sven Estridson und seinen fünf Söhnen, die nach ihm an der Reihe nach durch die Wahl der Großen auf den Thron berufen wurden, gelang es nicht, Dänemark wieder zu der alten Machtstellung zu erheben. Die schwachen Versuche, Ansprüche auf die engliche krone geltend zu machen, schlugen vollständig fehl. Andere außenpolitische Sorgen drängten sich in den Vordergrund. In der Wikingerzeit waren die Nordgermanen unbestrittene Herren der Ostsee gewesen, deren östliche und südliche Küsten gehörten teils zum Schwedenreiche, teils wurden sie von den dänischen Wikingerscharen beherrscht, wie den Jomswikingern, deren Burg bei dem sagenumwobenen Vineta an der Odermündung lag. Als die Skandinavier sich im 11. Jahrhundert vom Meere zurückzogen und die Wikingerburgen verfielen, da tauchtem statt dessen estnische und slawische Piraten in der Ostsee auf. Zweimal verbrannten estnische Brandröuber Schwedens Hauptstadt Sigtuna, slawische Scharen suchten die dänische Küste und erstreckten ihre Züge bis nach Konghella in Norwegen. Der Spieß war also völlig umgekehrt. Sie Slawengefahr war für die Dänen um so größer, weil sie nicht nur von der Seeseite den Angriffen ausgesetzt waren, sondern auch zu Lande Nachbarn der Slawen waren. In der Gegend von Kiel stieß damals, wenn auch nur auf schmaler Front, dänisches und slawisches Volkstum aufeinander. Westlich davon waren die Deutschen Nachbarn der Dänen.

Wegen dieser doppelten Nachbarschaft war die Mark Schleswig - ursprünglich von Karl den Großen gegen die Dänen angelegt und von Heinrich I. erneuert, aber von Konrad II. an Knut den Großen 1035 abgetreten - von besonderer Wichtigkeit für das dänische Reich. Infolgedessen finden wir vielfach die tüchtigsten und kraftvollsten Mitglieder des dänischen Königshauses als Statthalter von Schleswig. Der bedeutendste unter ihnen war Knut Laward (= Lord), der nach glücklichen Kämpfen von seinem Freunde, dem kaiser Lothar, zum "Knes" der Slawen gekrönt wurde und unter deutscher Lehnshoheit Holstein und Mecklenburg beherrschte. Seine Macht und seine Volkstümlichkeit ließen den dänischen König Niels und dessen Sohn Magnus um den Thron bangen. Magnus wußte keinen anderen Ausweg, als Knut in einen Wald zu locken und ihn unversehens niederzuhauen. Die Folge war Empörung und Bürgerkrieg. Magnus fiel im Kampfe. König Niels erschlugen die erbitterten Bürger von Schleswig. Während des folgenden sechundzwanzigjährigen Kampfes um den Thron gingen nicht nur Knut Lawards Eroberungen verloren, die Slawenschiffe hinderten sogar den Verkehr zwischen den dänischen Inseln, und König Erich Lamm entging einmal nur mit knapper Not der Gefangennahme. Die Schwäche Dänemarks war indessen nicht der einzige Grund für das verstärkte Wiederaufleben der wendischen Seezüge. Seit Anfang des 12. Jahrhunderts wurden die Ostseeslawen immer kräftiger von der deutschen Kolonisation im Rücken gepackt und gewissermaßen ins Meer geworfen. Daher auch ihre Versuche , sichauf den dänischen Inseln anzusiedeln.

Mehrere der machtlosen dänischen Könige versuchten sich dadurch zu halten, daß sie sich dem deutschen Kaiser in die Arme warfen und Dänemark von ihm zu Lehen nahmen. So erschienen im Jahre 1152 auf dem Reichstage zu Merseburg nicht weniger als drei Dänenprinzen vor Kaiser Friedrich I., seines Schiedsspruches gewärtig. Kaiser fridrich teilte das Reich unter die drei Bewerber, was natürlich neue Kämpfe zur Folge hatte, die mit dem Siege Waldemars auf der Gradeheide ihr Ende fanden.

Mit Waldemar I., dem Großen (1157 - 82), begann eine neue Zeit für Dänemark. Die Lehnshoheit des Deutschen Reiches mußte allerdings noch anerkannt werden, aber in die Slawenkämpfe kam durch ihn und durch seinen streitbaren Erzbischof Axel (Absalom) ein frischerer Zug. Waldemar war dabei mit Heinrich dem Löwen verbündet. Den deutschen war während der dänischen Thronwirren die Erbschaft Knut Lawards zugefallen. Durch die Besetzung der Halbinsel Wagrien hatten sie einen Keil zwischen Dänen und Slawen getrieben und waren selbst wieder zur ostseeküste durchgedrungen. Damit wurden alle künftigen Unternehmungen der Dänen zu überseeischen gestempelt, die bekanntlich nie mit gleicher Machtentfaltung durchgeführt werden können, wie solche, die von breiter Landfront ausgehen. Das Übergewicht in den Slawenkämpfen lag infolgedessen fortan ausgesprochen auf deutscher Seite. Heinrich hatte nicht nur die Hauptkämpfe durchzufechten, er ertrotzte sich auch den Löwenanteil an der Beute: Mecklenburg und Pommern. Die Dänen mußten sich mit Rügen, wo sie im Jahre 1168 Svantewits Heiligtum Arkona stürmten, und einigen pommerschen Küstenplätzen begnügen.

Noch ein weiterer wesentlicher Unterschied bestand zwischen dem deutschen und dem dänischen Vorgehen. Den deutschen Ritterheeren folgte auf dem Fuße ein noch größeres von deutschen Bauern und Bürgern. Deutsche Städte erwuchsen längs der wendischen Küste. Die Dänen begnügten sich mit oberflächlicher Christianisierung und Anerkennung ihrer Herrschaft gegen möglichst hohe Zinszahlung. Es war noch der vornehmlich auf Beutemachen eingestellte Wikingergeist, der ihre Politik beherrschte.

Der Fall Heinrichs des Löwen machte an der Ostseeküste die Dänen zu seinen Erben; denn die kleinen reichsunmittelbaren Nachfolgerstaaten konnten den Dänenkönigen Knut VI. Waldemarsson (1182 - 1202) und Waldemar II dem Sieger (1202 - 1241) nicht Schach bieten. Waldemar II. vereinigte in seiner Hand ein zusammenhängendes gebiet von Jütland bis nach Hinterpommern. Durch geschickte Ausnutzung des staufisch-welfischen Gegensatzes erreichte er im Jahre 1214 die kaiserliche Anerkennung des tatsächlichen Besitzstandes: alles Land jenseits der Elbe und der Elde wurde ihm von Friedrich II. ausgeliefert. Schon griff Waldemar aber noch weiter. Die einzigen, die noch immer bisweilen wagten, die dänische Küste zu beunruhigen, waren die Esten. Gegen sie zog Waldemar 1219 die Reichsflotte zusammen, und nach einer grimmigen Schlacht bei Lyndanise (Reval), während der der Sage nach der Danebrog vom Himmel viel, gelang ihm die Unterwerfung(Die Entstehung des Danebrog hängt tatsächlich mit diesem Zug zusammen. Da das Unternehmen als Kreuzzug galt, hatte der Papst eine geweihte Flagge (weißes Kreuz mit rotem Feld) geschickt).

Ebenso wie bei den Slawenkämpfen in Norddeutschland stießen in Estland die Dänen mit den Deutschen zusammen. Der Schwertritterorden kämpfte seit Beginn des 13. Jahrhunderts von Riga aus gegen Esten, Liven und Russen. Das Verhältnis der beiden zueiander war das gleiche wie in Norddeutschland: an sich Rivalen, hatten sie dem gefährlichen Feinde gegenüber das gleiche Interesse und waren deshalb zunächst verbündet. Ohne Reibungen wurde das Gebiet so geteilt, daß der größere, nördlichere Teil, Reval, Wiek, Sakkala und Ugaunien als die des Ordens. Eine stille Eifersucht zwischen den beiden christlichen Eroberern bestand jedoch fort, so daß es nur in den äußersten Notlagen gelegentlich zumilitärischem Zusammenwirken gekommen ist, nie zu großzügigen gemeinsamen Unternehmungen. Stattdessen waren eifersüchteleien kleinlichster Art an der Tagesordnung. Selbst bei der Verkündung des Wortes Gottes arbeitete man gegeneinander, und den Esten, die sich von dänischen Glaubensboten hatten taufen lassen, machten es die deutschen Ritter durch schonungslose Plünderungszüge begreiflich, daß der Christengott der Deutschen der stärkere sei, bis dann vielleicht eine dänische Streifschar die armen Neubekehrten wieder vom Gegenteil überzeugte.

War die dänische Machtentfaltung in Estland der deutschen ursprünglich überlegen, so änderte sich das Verhältnis schon nach dem großen Estenaufstande des Jahres 1222. Damals mußten die deutschen Ritter, die verzweifelt um Reval, ihre letzte Feste, kämpften - den Dänen heraushauen, und während die Deutschen von nun an jährlich starken Zuzug von Kreuzrittern erhielten, blieb der Nachschub für die Dänen bald gänzlich aus. In Deutschland war die Ostpolitik Sache des Volkes und wurde durchgeführt, ohne daß der ferne Kaiser sich darum kümmerte. In Dänemark war sie Sache ehrgeiziger und eroberungslustiger Könige. Das dänische Volk wollte nichts davon wissen, ja wir erfahren, daß es schwer hielt, Leute zu bekommen, die den Winter über in estland oder auch nur auf Rügen bleiben wollten. Somit stand und fiel das dänische Ostseereich mit dem König. Eine Katastrophe, die ihn traf, mußte notwendig den Zusammenbruch des ganzen stolzen Baues zur Folge haben.

Einen solchen Zusammenbruch brachte das Jahr1223. König Waldemar wurde mitsamt seinem Sohne von einem seiner deutschen Vasallen, dem Grafen Heinrich von Schwerin, überfallen und entführt. Nur gegen Freigabe von ganz Norddeutschland südlich der Eider setzte man ihn1225 wieder in Freiheit. Zwar versuchte er noch einmal das Waffenglück, aber jetzt wurde "der Sieger" bei Bornhöved 1227 von den vereinigten Fürsten, Städten und freien Bauern geschlagen.

Ebenso wie im deutschen Thronstreite der Staufer und Welfen hatte Waldemar versucht, auch in Schweden das Zünglein an der Wage zu bilden, aber gleichfalls ohne Erfolg. Er hat deshalb während der zweiten Hälfte seiner Regierung das Schwert aus der Hand gelegt und sich statt dessen als Gesetzgeber einen Namen gemacht.

Nach seinem Tode ist Dänemark von neuen Thronkämpfen heimgesucht worden. Seine vier nächsten Nachfolger, Erich Pflugpfennig, Abel, Christoffer I., und Erich Glipping, starben sämtlich eines unnatürlichen Todes. Trotz eines vorübergehenden kurzen Aufschwunges unter Erich Menved sank das reich in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts so tief, daß ein deutscher Graf über die dänische Krone verfügen konnte. Christoffer II., der erste dänische König, der Aufgrund einer Wahlkapitulation den Thron bestieg, versuchte Nordschleswig für die Krone einzuziehen. Da trat ihm der Vormund des jungen Herzogs Waldemar, Graf Gerhard von Holstein, entgegen und vertrieb den König aus dem Reiche. 1326 bis 1340 war Gerhard der tatsächliche Regent Dänemarks. Als Entschädigung für seine Müheverwaltung ließ er sich mit dem Herzogtum Schleswig belehnen. Zwar wurde diese Belehnung im Jahre 1330 in einem Erbanspruch umgewandelt, aber große Verpfändungen brachten schon damals den Hauptteil des Herzogtums in die Hände der Holsteiner, und nicht nur des Herzogtums - ganz Dänemark ist damals nahe daran gewesen, eine deutsche Provinz zu werden, zumal zu der politischen Bedrängnis durch die Holsteiner die vollständige wirtschaftliche Abhängigkeit von der Hanse kam.

Aus solcher Erniedrigung rettete Dänemark der vierte Waldemar, Atterdag genannt, weil es unter ihm "wieder Tag" wurde in der dänischen Geschichte (Möglicherweise verdankt er den Beinamen auch einer häufig gebrauchten Redensart). Um zunächst einmal Herr im eigenen Hause zu werden, machte er der Hanse große Zugeständnisse, trat die umstrittenden Provinzen Schonen, Halland und Blekinge an Schweden ab und verkaufte Estland an den Deutschen Orden. Schon nach wenigen Jahren ermöglichten ihm innere Kämpfe in Schweden die Rückerwerbung Südschwedens. Im Zusammenhang mit dem schwedischen Kriege glaubte auch er einen Schlag gegen die Hanse führen zu können, indem er das völkerrechtlich zu Schweden gehörende Visby überfiel und so ausplünderte, daß sich die Stadt nie wieder davon erholt hat.

Diese Herausforderung war indessen zu stark. Zwei Kriege hat die Hanse gegen Dänemark geführt, im zweiten den König aus dem Reiche vertrieben und ihn zur Anerkennung des harten Stralsunder Friedens vom Jahre 1370 gezwungen. Damals wäre zum zweiten Male Gelegenheit gewesen, Dänemark zur deutschen Provinz zu machen. Die fürstlichen Verbündeten der Städte hatten die Absicht, das Reich unter sich zu teilen. Dem kamen die Städte durch ihren schnellen Friedensschluß zuvor; denn ihnen lag lediglich an der Sicherung ihrer Vorrechte in Dänemark. Ein Machtzuwachs der benachbarten Fürsten war keineswegs in ihrem Interesse.

Waldemar IV. war der letzte vom Mannesstamme Sven Estridsons. Sein Sohn war in den Kämpfen mit den Hansen gefallen; von seinen Töchtern war die ältere, Ingeborg, mit einem mecklenburgischen Herzog, die jüngere, Margareta, mit dem König Haakon von Norwegen verheiratet. Beim Tode des Vaters eilte Margarete (Bild 6) sofort nach Dänemark und erwirkte die Wahl ihres Sohnes Olaf zum König. der Tod ihres Gatten und ihres Sohnes führte sie einige Jahre später selbst auf den Thron von Norwegen und Dänemark, wenn sie auch rein äußerlich im Namen ihres Kindes Statt angenommenen Großneffen Erichs von Pommern regierte. Als Gemahlin und Mutter der letzten Folkunger warf sie bald ihre Augen auch auf die dritte skandinavische Königskrone, und in der Tat gelang es ihr, mit der Kalmarer Union ein neues Zeitalter für den Norden herbeizuführen.

Quelle: Jedermanns Bücherei; Nordische Geschichte, © 1924 by Ferdinand Hirt in Breslau, Jadu 2000

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