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Die drei Königreiche vor der Kalmarer Union

Schweden

Weit spärlicher als die mittelalterliche Geschichte Dänemarks und Schwedens fließen die Quellen für Schweden. Es ist ein reiner Zufall, wenn Gregor von Tours zum Jahre 525 den Tod des Wikingerführers Cochilaicus erwähnt, in dem wir den Gotenkönig Hygelac des Beowulfliedes wiedererkennen, woraus wir u. a. folgern können, daß im 6. Jahrhundert die Vereinigung des Schweden- und Gotenreiches noch nicht erfolgt war. Auch die (west-)nordische Überlieferung weiß verhältnismäßig wenig von den Vorgängen auf der östlichen Hälfte der Halbinsel zu erzählen, und stärker noch als in Norwegen verschleiert die Sage die wirklichen Ereignisse.

Das Ansehen, das die Schwedenkönige als Vorsteher der weit über die Grenzen von Svealand berühmten Opfer von Uppsala (Bild 5) genossen, wuchs sich nach dem 6. Jahrhundert zur politischen Vorherrschaft auch über die Gotenstämme aus. Die Erinnerung daran, daß das Schwedenreich aus zwei Hälften zusammengewachsen ist, hat sich lange, in Resten sogar bis zum heutigen Tage, erhalten. Das geeinte Schweden wandte seine Kraft alsbald nach außen. Um 900 erlebte das Land seine erste Blüte als Ostseemacht. Die Küsten Finnlands und Estlands erhielten ihre zum Teil noch heute vorhandene schwedische Besiedlung, die sich bis ins preußische Gebiet erstreckte. Gekrönt wurde die Ausdehnungspolitik durch die Eroberung der weiten Landmassen zwischen Ostsee und Schwarzem Meer. es ist, als wenn das Reich Ermanarichs neu erstünde. Diese Eroberung ging allerdings nicht von den Königen Schwedens, sondern von abenteuernden Warägern aus. Im 10. Jahrhundert begann das Christentum einzudringen, nachdem die zu Ludwigs des Frommen Zeiten unternommenen Missionsversuche Ansgars gescheitert waren. Da es zuerst in den südlichen Reichsteile Fuß faßte, ließ der Kampf um den neuen Glauben noch einmal den alten Stammesgegensatz zwischen Schweden und Goten aufflammen. Den von den Goten erhobenen christlichen Königen setzten die Schweden vielfach heidnische Herrscher entgegen. Erst als im 12. Jahrhundert das Christentum auch in den Svealandschaften durchdrang, errangen diese wieder das Übergewicht, doch mußten die Nachfolger Erichs des Heiligen noch ein Jahrhundert lang gegen das gotische Königsgeschlecht Sverkers kämpfen.

Während dieser Fehden büßte Schweden den größten Teil seiner Besitzungen jenseits der Ostsee ein. Das Königtum verlor, besonders seitdem Schweden Wahlreich geworden, seine wichtigsten Rechte und die meisten Krongüter, die zum Teil aus dem reichen ehemaligen Uppsala Tempelgute stammten, an die aristokratischen und hierarchischen Schichten, die an der Stelle der Bauernschaften die ausschlaggebenden im Reiche wurden. Die ständigen Thronkämpfe erinnern an die der ausgehenden Merowingerzeit und führten zu einem ähnlichen Ergebnis: das mächtige Geschlecht der Folkunger, das mit dem Jarlsamte eine Art Hausmeierstellung einnahm, schwang sich auf den Thron.

Im Jahre 1250 wurde Waldemar, der Sohn des kraftvollen Birger Jarl, zum König gewählt. Sein Vater führte bis zu seinem Tode, 1266, die Regierung und gab dem Lande den lang ersehnten inneren Frieden. Er brachte den schwedischen Namen bei den Finnen wieder zu Ansehen, er kämpfte gegen Alexander Newski von Novgorod und begünstigte durch ein Abkommen mit Lübeck das Aufblühen der schwedischen Städte, deren Zahl er durch die Gründung von Stockholm vermehrte (um 1250). Nach seinem Tode stieß der jüngere Magnus, der die ganze Tatkraft des Vaters geerbt hatte, Waldemar vom Throne und führte die regierung bis 1290 mit Glück und Geschick. Seine Bemühungen um den Landfrieden brachten ihm den Ehrennamen Ladulas (Scheunenschloß) ein, weil er u. a. die gewaltsamen Gastungen der Herren bei den Bauern verbot. Daneben wird er als Begründer des ritterlichen Adels in Schweden gefeiert. Die alte Wehrverfassung mit ihrem Bauernaufgebot und der "Ledungsflotte" hatte sich überlebt. Um ein modern bewaffnetes Ritterheer in die Hand zu bekommen, versprach er auf dem Herrentage zu Alsnö 1280 allen, die sich zum Reiterdienst verpflichteten, Befreiung von den bis dahin in der Hauptsache militärischen Abgaben an die Krone.

Diese Vorrecht gewann in der Folge eine wichtige soziale Bedeutung, insofern als es den Grund zu einer bevorrechteten Kriegerkaste legte, die bald auch politischen Vorrang beanspruchte. Die Wirren, die nach Magnus Ladulas Tode einsetzten, begünstigten die Ausbildung eines ritterlichen Erbadels sowie des "Rates" als einer höchsten Vertretung nicht nur des Standes, sondern auch des Reiches. Die Gepflogenheiten, daß der König bei wichtigen Entscheidungen den Rat seiner Großen, der Gefolgschaftsführer, später auch der kirchlichen Würdenträger einholte, war alt. Es stand jedoch vollständig in seinem Belieben, wen er sich zu Rate zog, und inwiefern er sich nach den erteilten Ratschlägen richtete. Magnus Ladulas unternahm es zuerst, den Rat fest zu begrenzen, und übertrug ihm für den Fall seines vorzeitigen Todes die Vormundschaftsregierung.

Während dieser und während der Fehden zwischen Magnus' Söhnen, die Schweden zu zerreißen drohten, vertrat der Rat den Gedanken der Reichseinheit und versah diese Aufgabe auch unter den letzten Folkungern sowie den folgenden fremden Königen. Aus dem "Rat des Königs" wurde ein "Reichsrat".

Die Thronkämpfe der Magnussöhne sind reich an dramatischem Wechselspiel, an Tücke und Grausamkeit. Sie endeten nicht eher, als bis das Haus Magnus Ladulas vernichtet war bis auf ein dreijähriges Kind, Herzog Erichs Sohn Magnus, der durch seine Mutter, die Tochter Haakons V., bereits König von Norwegen war. Ihn wählten 1319 auch die schwedischen Großen zum König, ohne daß die Personalunion die beiden Länder nähergebracht hätte. In Norwegen herrschte Magnus Erriksson nahezu uneingeschränkt, während er in Schweden dauernd Reibereien mit dem Reichsrat hatte, so daß er sogar dem mißglückten Versuch unternahm, ihm in eine alle Stände umfassenden Reichstage ein Gegengewicht zu schaffen. Der Rat erwies sich jedoch als der Stärkere; er putschte seine Söhne gegen ihn auf und vertrieb schließlich die Folkungerdynastie ganz aus Schweden, um an ihrer Stelle in Albrecht von Mecklenburg einen ganz von der aristokratie abhängigen Schattenkönig auf den Thron zu setzen.

Auch in de Außenpolitik hatte Magnus eine glückliche Hand. Das mit großen finanziellen Opfern erworbene Schonen mußte er dem unter Waldemar IV. erstarkenden Dänemark wieder überlassen. Lediglich in der Verbindung seines Sohnes Haakon mit Waldemars Tochter Margareta lag ein wichtiges, in die Zukunft weisendes politisches Moment, der Keim zur Union der drei nordischen Reiche.

Quelle: Jedermanns Bücherei; Nordische Geschichte, © 1924 by Ferdinand Hirt in Breslau, Jadu 2000

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