Spätbürgerliche MusikAbgesang 1890 bis 1930

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1890 hatte die bürgerliche Musik ihren Höhepunkt überschritten. Das Niveau der Musikausübung, aufbauend auf der Salonromantik eines Chopin, Tschaikowski oder Dvorak, bewegte sich auf sentimentaler Klavierunterhaltung und Orchesterstücken (Humoresken, Poeme und dgl.). Selbst den jüngeren Komponisten der Nationalen Schulen war es unmöglich, auf den Pfaden der Folklore-Romantik eines Smetana, eines Grieg fortzufahren. Folgerichtig finden wir gerade bei den Besten (Janacek, de Falla, Sibelius) Anklänge an die Moderne.
So wie der Beginn der Übergangsepoche nur ungenau festgelegt werden kann, ist das Ende noch diffuser, beginnt doch die atonale Zeit schon vor dem ersten Weltkrieg, spätromantische Meisterwerke entstehen noch in den 20er Jahren und später (Strauss). Mit der Weltwirtschaftskrise, den russischen Repressionen und dem Beginn der faschistischen Diktatur in Deutschland wird die spätbürgerliche Musik allerdings anachronistisch.
Dementsprechend ist die Musik zwischen 1890 und 1930 äußerst widersprüchlich. Der allgemeinen Salonmusik zur Seite steht ein Akademismus, der Wagners Harmonik bis zum letzten, zum Expressiven verfeinert; Tonpoeten wie Strauss und Mahler, die auf die besten Traditionen von Berlioz bis Liszt fußten, und fortschrittliche nationale Komponisten, die auf dem Boden der jeweiligen Intonation wirksame Werke schufen, gesellten sich zu einer breiten Bewegung, die das Heil in der Rückbesinnung auf polyphone und Barocktechniken suchte (und noch sucht) – italienischer Impressionismus, Reger, Hindemith, Pepping und andere. Die besten Traditionen bürgerlicher Kreativität kamen noch einmal zum Tragen im Verismo und Impressionismus, wenn auch impressionistische Harmonik und Form dazu beitrugen, die tonalen Auflösungserscheinungen (Wagner, Mahler, früher Schönberg) weiter zu vertiefen. Dann schließlich die "Moderne", für sich allein wieder ein Kosmos der verschiedensten Stile (Barbarismus, Atonale, Zwölftonmusik, Neoklassismus...). Noch ist es zu früh, ein abschließendes Urteil zu fällen, aber so viel ist sicher, daß die bürgerliche tonale Musik mit Industrialisierung und Informationsrevolution endgültig ausgespielt hat.
Deutlich wird der Niedergang der bürgerlichen Musik auch und vor allem in der Oper. Wenn auch Verismo und Strauss noch einige zeitlose Werke schufen, so ist doch nicht zu übersehen, daß das Gros der aufgeführten Werke nach Anfangserfolgen samt und sonders in der Schublade der Geschichte verschwand. Eigentlich schon 1918, mit Sicherheit aber 1930 hat die Oper als lebendige Kunstform ausgespielt, nur als "musikalisches Museum" fristet sie einem gewähltem Publikum ihr Dasein. Die Operette erlebte noch einmal einen Höhepunkt, mußte aber auch dem Zeitgeschmack Kitsch Tribut zollen und war spätesten 1945 genauso tot wie die Oper. Sie fand allerdings entsprechende Fortsetzung im Musical. Das Ballett erlebte seine Blüte (Djagilew), trug dazu bei, der Moderne Bahn zu schaffen, glitt damit aber zu elitärer Kunst ab.

Europäische Spätromantik

Die Brücke (italienische Sinfoniker)
Im Gefolge von Wagner und Brahms: Giovanni Sgambati (1841-1914), Requiem, Giuseppe Martucci (1856-1909), Notturno für Orchester 2, Novelletta für Orchester, Marco Enrico Bossi (1861-1925), Sinfonische Dichtung Santa Caterina di Siena, Intermezzi Goldoniani, Leone Sinigaglia (1868-1944), Ouvertüre Viel Lärm in Chiozza, Ermanno Wolf-Ferrari (1876-1948), Opern, Violinkonzert, Orchesterstücke (u.a. Kammersinfonie)
Britische Spätromantiker und Impressionisten
Edward Elgar (1857-1934), Oratorium Der Traum des Gerontius u.a., Chorwerke, Sinfonien, Violin-, Cellokonzert, Sinfonische Dichtungen (Ouvertüren), Frederick Delius (1862-1934), Chorwerke (Appalachia, Im Meerestreiben, Abschiedslieder), Konzerte für Klavier, Violine, Cello, Doppelkonzert für Violine und Cello, Sinfonische Dichtungen (u.a. In einem Sommergarten, Skizzen aus Nordengland), Cyril Scott (*1879), der "englische Grieg", John Irland (*1879), Chorwerk These Things shall be u.a., Ouvertüren, Sinfonische Dichtungen (sinfonische Rhapsodie Mai-Dun, Prelude, Der vergessene Ritus), Klavierkonzert, Arnold Bax (1883-1953), 7 Sinfonien
Skandinavische Spätromantiker
Schweden: Wilhelm Peterson-Berger (1867-1942), schwedische Nationaloper (Anljot), 5 Sinfonien (Lappland-Sinfonie), Wilhelm Stenhammar (1871-1927), Opern, Chorwerke, Sinfonien, Ture Rangström (1884-1947), Oper Kronbraut, Sinfonie in memoriam August Strindberg, Oskar Lindberg (1887-1955), Oper Fredlös. Norwegen: Gerhard Schjederup (1859-1933), Opern, Sinfonik, Johan Halvorsen (1864-1935), 2 Sinfonien, Suiten, Hjalmar Borgström (1864-1925), Programmmusik, Christian Sinding (1865-1941), Oper, 4 Sinfonien

S. Tanejew, E. Elgar, F. Delius, A. Glasunow. W. S. Kalinnikow. A. Skrjabin

Russische Spätromantiker und Prämoderne
Anatoli Ljadow (1855-1914), Klaviermusik, Orchestermusik, Sergej Tanjenew (1856-1915), 4 Sinfonien, Operntrilogie Die Orestie, Kantaten, Kammermusik, Romanzen, konzertante Werke, Alexander Dmitrijewitsch Kastalski (1856-1926), Sergei Michailowitsch Ljapunow (1859-1924), Anton Stepanowitsch Arenski (1861-1906), Alexander Glasunow (1865-1936), 8 Sinfonien, Ballett Raymonda, Konzerte, Kammermusik, Lieder, Wassili Sergejewitsch Kalinnikow (1866-1901), Fagott, 2 Sinfonien, Ouvertüre zu "Zar Boris", Alexander Skrjabin (1872-1915), 3 Sinfonien, Poeme de l'Extase, Poeme du Feu, Klaviersonaten, Sinfonische Dichtung Prometheus, Sergej Rachmaninow (s. Virtuosen), Reinhold Glier (1874-1956), 3 Sinfonien, Sinfonische Dichtungen, Ouvertüren, Konzerte, Kammermusik, Opern, Nikolai Mjaskowski (1881-1950), 27 Sinfonien, Sergei Nikiforowitsch Wassilenko (*1882), Igor Glebow (Pseudonym,1884-1949), Ballett Die Fontaine von Bachtschissarai, Juri Schaporin (*1887), Oper Die Dekrabristen, Wladimir Stscherbatschew (*1889)
Ungarische Spätromantiker
Leo Weiner (*1885), Schauspiel zu Csondor und Tünde (Suite), Orchesterwerke (Ungarische Suite u.a.), Sinfonie Toldi Ferenc Szabo
Dazu: US-amerikanische Spätromantiker
Bostoner Gruppe: Artur Foots (1853-1937), Federick Stepherd Converse (1871-1940), Daniel Gregory Mason (1873-1930), John Alden Carpenter (1876-1951), außerdem: George Whitefield Chadwick (1854-1931), Edgar Stillmann Kelley (1857-1944), Horatio Parker (1861-1919), Edward MacDowell (1861-1908)

Bühnenkomponisten
Ole Olsen 1850-1927), Layla (1908, Oslo), Ch. Sinding, Der heilige Berg (1914, Dessau), S.I. Tanejew. Oresteia (Trilogie, 1895, Petersburg), G. Schjelderup, Norwegische Hochzeit (1900, Prag), F. Delius, Romeo und Julia auf dem Dorfe (1907, Berlin), Hjalmar Borgström, W. Peterson-Berger, Arnjot (1910), W. Stenhammar, Das Fest auf Solhaug (1899, Stuttgart), E. Wolf-Ferrari, Sly (1927, Mailand), Il Campiello (1936, Mailand), Cyril Scott (*1879), Der Alchimist (1925, Essen), T. Rangström, Die Kronbraut (1919, Stuttgart), O.F. Lindberg, Friedlos (1943, Stockholm), J.A. Schaporin, Die Dekabristen (1953, Moskau)



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