MittelalterMinnesang

Auch auf der Seite Troubadoure, Trouvere, Vaganten

• höfisch-weltliche Dicht- und Sangeskunst des 12/14. Jahrhunderts in der Volkssprache, vor allem verbreitet in Frankreich (Troubadour, Trouvere) und Deutschland, zumeist einstimmig, auch instrumental begleitet. Den Inhalt des Minnesangs bildeten vor allem die Liebesdichtung und Frauenverehrung, die auf die Marienanbetung zurückgeht. Dazu Texte politischer, sozialer, persönlicher Art sowie Spruchdichtung
Wichtigste Form: Strophenlied, das auf den Hymnus zurückgeht, in der Barform AAB oder AABA (in Deutschland hauptsächliche Form, während in Frankreich der Refrain dazutritt). Der Laich (Lai) ist eng mit der Sequenz verknüpft, während deklamatorische Formen auf die liturgischen Rezitationsformeln zurückgehen. Eine häufig geübte Technik ist die Kontrafraktur; so haben die französischen Minnesänger häufig lateinischen Gesängen ihre Texte und deutsche Minnesänger französischen Weisen deutsche Texte unterlegt. Als mehrstimmige Form benutzt man den Conductus (Adam de la Hale, Münch von Salzburg, um 1390) und die Motette (Guillaume de Machaut, siehe Renaissance, Oswald von Wolkenstein, 1377-1445), bei der der Cantus firmus schon bald frei erfunden wurde (Weiterentwicklung: deutsches Tenorlied). Die Melodien verwendeten Kirchentöne, wegen der Volksnähe aber vor allem den 5. und den 7. (Dur/Moll-Charakter).
• 3000 Gesänge erhalten, 262 mit Melodien
Bedeutende Minnesänger waren Walther von der Vogelweide (1170-1230, siehe Seite), Neithard von Reuenthal (*Ende 12. Jh.), Wiclav von Rügen (urk. 1284-1325), Heinrich Frauenlob von Meißen (gest. 1318)
Weitere, ausführliche Informationen: Minnesang im Mittelalter


Troubadoure

• ritterliche Sänger und Dichter (11./13.Jahrhundert), die ihre Dichtungen zum Teil selbst (meist unbegleitet einstimmig) vertonten und vortrugen oder durch Menestrels vortragen ließen. Quellen: Gregorianischer Choral, Volksmusik, Themen: Frauendienst, galante Schäferlyrik, Heldenlieder zu den Kreuzzügen, Streitgesänge und Tanzlieder (Virelais, Balladen).
Der bekannteste war Bernart de Ventadorn (siehe Seite), weitere Guillaume de Poitiers (gest. 1127), Marcabru (12. Jh., siehe Seite), Bertran de Born (1140-vor 1215).


Trouvere

• der nordfranzösische Spielmann und Minnesänger des hohen Mittelalters (nördlich der Loire). Die Trouvers bedienten sich im Gegensatz zu den Troubadouren der französischen Sprache und trugen zumeist selbst komponierte Gesänge vor (2000 Gesänge, die meisten mit Melodien, erhalten).
Hauptmeister sind Thibaut de Champagne (der spätere König von Navarra, 12. Jh.), G. Brule, J. Bretel, M. d'Arras, Chretiens de Troyes (12. Jh.), Blondel de Nesle (*1155) und Adam de la Hale (1237-1286)

Vaganten

"Vagi" – fahrende Scholaren und Kleriker, Studierende und Studierte, aus eigenem Willen oder aus Zwang der Verhältnisse ohne feste Beschäftigung und festem Wohnsitz, aber im Gegensatz zu den Spielleuten, die als Beruf musizierten, nicht stand-, recht- oder ehrlos. Die Lieder (Carmina burana usw.) umfaßten Trink- und Spiellieder, Liebeslieder (sinnliche Liebe), Bittgedichte (Bettellieder), Pastourellen, Streitgedichte und Parodien, moralisch-satirische Gedichte u.a. Die Texte waren lateinisch, die Melodien sind selten überliefert.
Die meisten Vagantendichter sind anonym, namentlich bekannt sind der Primas der Ältere, Walther von Chatillon (*1135, siehe Seite) sowie der Archipoeta

 

 

 

Das Bild gibt eine Miniutur aus der Handschrift der "Carmina burana" (Cod. lat. 4660 der Bayerischen Staatsbibliothek, München) wieder: Ein Vagant überreicht seiner geliebten Flora Blumen; in der Handschrift wird das Bild umrahmt von den Versen.
Suscipe, flos, florem, quia flos designat amorem!
Illo de flore nimio sum captus amore.
Hunc florem, Flore dulcissima, semper adora!
(Nimm, Blume, die Blume hin, sie ist ja ein Zeichen der Liebe.
Durch jene Blume bin ich von mächtiger Liebe ergriffen.
Dieser Blume verleih doch Duft stets, süßteste Flora!)


Hermann Münch von Salzburg

österreichischer Dichtermusiker, wahrscheinlich identisch mit dem Benedektinerabt von St. Peter in Salzburg, Johannes II. von Rossenning, am Hofe des Erzbischofs von Salzburg, in seinen Liedschöpfungen vielleicht unterstützt von Laienprediger Martin Küchlmeister.
Seine geistlichen und weltlichen Gesänge wurden in allen Gesellschaftsschichten wirksam und waren über dem gesamten deutschen Sprachraum verbreitet: Hymnenübersetzungen, instrumental begleitete Weisen: Trink- und Liebeslieder, poetische Genreszenen, beeinflußt von der abendländischen Volksmusik, Beispiele früher Mehrstimmigkeit

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Neithard von Reuenthal

Ende des 12. Jahrhunderts geboren, deutscher Minnesänger, in Österreich.
Die 29 Sommerlieder schlicht in Inhalt und Form, die 39 Winterlieder kunstvollere Formen (Kanzone), inhaltlich befassen sie sich mit dem Bauernleben sowie satirische Texte auf Minnesänger und bäuerliche Nachahmer (schulebildend)

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Heinrich von Meißen Frauenlob

(Meißen) bis 1318 (Mainz), deutscher Minnesänger, ihm wird nachgesagt, Mitbegründer der Mainzer Meistersingerschule zu sein

Bertran de Born

um 1140 (Schloß Born) bis 1215, provenzalischer Troubadour, 45 Lieder erhalten, meist von der Gattung Sirventes

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Chretien de Troyes

nordfranzösischer Trouvere des 12. Jahrhunderts, bedeutendster Dichter der altfranzösischen Literatur. Seine wenigen überlieferten Melodien weisen ihn als Begründer der Trouvere-Kunst aus

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Blondel de Nesle

um 1155 (Nesle), französischer Trouvere. Seine Lieder sind zahlreich überliefert und wurden von den Zeitgenossen gern übernommen

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Adam de la Hale

um 1237 (Arras) bis 1286 (Neapel), Menestrel an verschiedenen Höfen.
Von seinen erhaltenen musikalischen Werken ist das in Italien entstandene Liederspiel Le Joi des Robin et Marion am bedeutendsten, es weist Adam de la Hale als Meister des einstimmigen Liedes aus. Die Einbeziehung volkstümlicher Elemente ist ein Hauptmerkmal seines Stils

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Leich, Lai

100 und mehr vier bis achtsilbige Verszeilen (höfischer Roman) unterschiedlichen Metrums und Rhythmus, die zu unregelmäßigen Strophen zusammengefaßt sind. Die musikalische Struktur entspricht im wesentlichen der frühen Sequenz und folgt dem Prinzip der fortschreitenden Repetition. Der Form nach untercheiden wir den Cauda-Lai, den Refraincauda-Lai, den Reprisen-Lai, den Dacapo-Lai u.a. Inhaltlich lassen sich vor allem Marien-, Minne- und Pastourellen-Lais unterscheiden. Sie sind vorwiegend syllabisch vertont, die Melodik ist volkstümlich und weiträumig

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Minnesang Links

über Minnesang erfährt man viel unter: Link
Wahnfrid Mediaevum
Minnesang de Walther Privat
SPS Lexikon Verlag
Meyers  

Die Wurzeln des Minnesangs lassen sich in Südfrankreich finden, als erster greifbarer Sänger ist der Herzog Wilhelm IX. von Aquitanien (1071-1127) zu nennen. Mitte des 12. Jahrhunderts spricht man in Person des "Troubardours"Bernart von Ventadon von der reinen Darstellung dieser Kunst.
Der deutsche Minnesang läßt nicht auf sich warten. Die ältesten uns erhaltenen lyrischen Gefüge entstehen zur Zeit Barbarossas und gehen auf "den von Kürenberg" zurück. Der Neue Sang nach provenzalischem Vorbild blüht im allemannischen und fränkischen Westen in den 70ern des 12. Jahrhunderts auf. Auf hochritterlicher Schaffensebene entsteht in den 80ern ein Minnesang, aus dessen unverbrauchter Sprache eine vorbildliche Liedwelt aufsteigt, die Hohe Minne.
Zu nennen sind hier Vertreter wie Reinmar und Heinrich von Morungen.
Im 13. Jahrhundert nimmt kunstgewerbliche Charakter des Minnesangs zu und mischt sich mit der
Niederen Minne. Jeder Dichter kann sich jetzt verschiedenen Minnewelten zuwenden und Minnesang
wird bis ins 14. Jahrhundert hinein zur Meisterkunst, die gepflegt wird, da es den Minnesang nun mal
als Kunstrichtung gibt.

Minnegesang in Deutschland

Bekannte Sänger und Lieder:

Minnesang und Spruchdichtung um 1200-1320 - Walther von der Vogelweide - Neidhart - Wizlaw - Frauenlob
Contents:
Walter von der Vogelweide, City Library, Breslau Ms 356 "Puschmanns Singebuch"
1. Mir hat her Gerhart Atze ein pfert
Walter von der Vogelweide, Bibl. de l'Arsenal, Paris 5198:
2. Under der linden an der heide
Walter von der Vogelweide, State Archives, Münster Ms VII, 51:
3. Nu alrest lebe ich mir werde (Palästinalied)
Neidhart von Reuental, Sterzing "Miscellany Manuscript":
4. Meie, din liehter schin
Neidhart von Reuental, Tübingen, Ms germ. fol. 779:
5. Blozen wir den anger ligen sahen
6. Fürste Friderich (Owê dirre nôt)
Pseudo-Neidhart, Tübingen, Ms germ. fol. 779:
7. Meienzit (Pseudo-Neidhart)
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Anon., um 1300, London, Brit. Mus. Add. 29987:
8. Chaçonetta Tedescha I (Instrumental)
Reinmar von Brennenberg, Munich, Bavarian State Library 4997 (Kolmar "Handschrift"):
9. Wol mich des tages do mir alrerst ist worden kunt
Anon., um 1300, London, Brit. Mus. Add. 29987:
10. Chançonetta Tedescha II (Instrumental)
Der Unverzagte, Jena "Liederhandschrift":
11. Der kuninc Rodolp minnet got
Frauenlob, Henreich von Meissen, Jena "Liederhandschrift":
12. Ez waent ein narrenwise
Wizlaw, Jena "Liederhandschrift":
13. Ich warne dich, vil junber man, gezarte
14. Loibere risen

 

 

 



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