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MittelalterArs nova 1320 bis 1420

Auch auf der Seite: Treccento-Kunst

– die neue Kunst (lat.) in der Musik des 14. und beginnenden 15. Jahrhunderts (im Gegensatz zur Ars antiqua von den Zeitgenossen so genannt) in Frankreich sowie in einigen Nachbarländern. Merkmale der Ars nova: Ausbildung der Mensuralnotation, gleichberechtigte Verwendung dreizeitiger ("perfekter") und zweizeitiger ("imperfekter") Mensur, Ausbildung der Isorhythmik und Isoperiodik. Von der Ars antiqua hebt sich die Ars nova besonders dadurch ab, daß sie weltliche Formen liebt und die französische Sprache vor der lateinischen bevorzugt; die Inhalte werden emotioneller, auch subjektiver. Neben der Motette treten als wichtige Liedformen Rondeau, Virelai, Chace (Caccia), Ballade (Balata). Die Motette weist zwei textierte Oberstimmen und ein 1- oder 2stimmiges Instrumental-Fundament auf.
Wichtige Komponisten und Theoretiker sind Guillaume de Machaut, Philippe de Vitry und Johannes de Muris, in der Spätzeit John Dunstable (siehe auch "Niederländer")


Treccento-Kunst

Für Italien wird oft die Bezeichnung Treccento-Kunst verwendet, da sich die italienische Musik stark von der französischen abhebt. Der italienischen Ars nova fehlt eine Großform (wie in Frankreich die Motette). Sie ist ausgesprochene Liedkunst. Die Ausprägung der Tonalität ist der eigentliche italienische Beitrag zur Musik des 14. Jahrhunderts.
Komponisten sind Francesco Landini, Giovanni di Cascia, Gherardello, Jacopo di Bologna, in der Spätzeit Johannes Ciconia (siehe auch "Niederländer").


Guillaume de Machaut

um 1300 (Machault?) bis 1377 (Reims), französischer Kleriker, Komponist und Dichter, an verschiedenen Höfen tätig, später Canonicus, Hauptwerk Messe de Notre Dame (um 1345).
Bedeutendster französischer Komponist des 14. Jahrhunderts, seine Werke wurden auch in Italien, Spanien, Portugal und Deutschland bekannt. Er komponierte 23 Motetten, die sich durch die Ausprägung isorhythmischer Prinzipien auszeichneten, instrumental begleitete Balladen und Rondeaux, die einen eigenständigen Typ des Kunstliedes darstellten, ferner Lais, Virelais, Hoketus David
Weitere Informationen zu Machaut: Überall ist Mittelalter?

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Philippe de Vitry

31. 10. 1291 bis 9. 6.1361, französischer Kleriker, Dichter, Komponist und Musiktheoretiker, am französischen Hof tätig, später Bischof von Meaux. Hauptwerk: Schrift Ars nova (1320).
Er komponierte 14 Motetten ( nur ein Text überliefert)

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Johannes de Muris

um 1290 bis nach 1351, französischer Kleriker, Mathematiker, Astronom und Musiktheoretiker, Haupttheoretiker der Ars nova, Hauptwerk: Schrift: Musica speculativa secundum Boetium.
Er entwickelte das Mensuralsystem, das dann Vitry u.a. anwandten, mit der modernen Gleichberechtigung von Zwei- und Dreiwertigkeit, außerdem den Proportionsbegriff zur Begründung des Tonsystems, der sich auch nützlich für die Zeitmessung der Mensuralmusik erwies

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John Dunstable

um 1380 bis 1453 (London?), "Canonicus und Musicus" des Herzogs von Bedfort, mit ihm auch in Paris, Hauptwerke Ballata O rosa bella, Motetten Quam pulchea es und Veni sancte spiritus. Tinctoris nennt ihn den ältesten Komponisten, der "einwandfreie Musik" komponiert habe.
55 Kompositionen: isorhyrhmische Motetten, Melodik durbetont fließend gesanglich (Übergang zur Renaissance), Balladen, Ordinariumssätze, Messen

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Francesco Landini

geb. (Fiesole) bis 2. 9.1397 (Florenz), bedeutendster italienischer Komponist des 14. Jahrhunderts, früh erblindet
Er hinterließ mehr als 140 Balata. Der Rhythmus ist rhetorisch bestimmt, die Konsonanz seiner Vokalduette steht unter dem Eindruck des Parallel-Organums. In Melodie- und Satzweise half er einen typischen italienischen Stil zu schaffen.

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Giovanni di Cascia

auch Johannes de Florentia, italienischer Komponist, erhalten sind zweistimmige Madrigale (16) und dreistimmige Caccien

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Gherardello de Florentia

italienischer Komponist, erhalten eine dreistimmige Caccia, 10 zweistimmige Madrigale

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Jacopo di Bologna

italienischer Komponist, an den Höfen in Verona und Mailand tätig.
stilistisch vielseitige Madrigale (25), eine dreistimmige Caccia, eine dreistimmige Motette, eine Lauda

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Johannes Ciconia

um 1335 (Lüttich) bis 1411 (Padua), Komponist und Musiktheoretiker, in Italien und Flandern tätig (Übergang zur franko-flämischen Epoche), nimmt innerhalb der Ars nova eine eigene epochebildende Stellung ein.
Er komponierte 11 Motetten, Meß-Fragmente, Virelais, Balatas, Madrigale, Canons

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Motette

Im Gegensatz zur Motette der Ars antiqua erweitert sich nach 1300 die Instrumentenbegleitung auf drei bis vier Spieler. Das bisher von der Männerstimme ausgeführte triphum wird in die Diskantlage verlegt (Knabenstimme), in der Ars nova folgt ihm der Motetus, so daß nun ein Diskantpaar dem Tenor gegenübersteht. Als neuer Typ erscheint die isorhythmische Motette. Im Tenor verwendet man allgemein die Technik der Diminution oder entsprechenden Mensurwechsel, zur Steigerung auch Hoketus-Partien. Die Motetten sind nun vierstimmig, mit einem Contratenor als Füllstimme in der Tenorlage. Kein Baßfundament. Erstarrung der französischen Form, neu der imitierende Stil Ciaconias (Jacopo di Bologna, F. Landino, M. de Perugia)

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Rondeau

französisches Reigentanzlied des 13. Jahrhunderts mit Refrain, das im Wechselgesang zwischen Vorsänger und Chor als 6zeilige Strophe in der musikalischen Forn aAabAB ausgeführt wurde. Die Troubadours und Trouvers griffen diese Form auf und gestalteten sie kunstvoll um. Seit Adam de la Hale steht der Refrain auch am Anfang, und die im Tenor liegende Melodiestimme wanderte in die Oberstimme. Polyphone Rondeaus schrieben G. de Machaut, er nahm auch den Krebsgang in seine Rondeaus auf

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Virelais

französische Lied- und Gedichtform des 12./14. Jahrhunderts. Charakteristisch ist die meist verwendete Refrain-Rahmung (A bb a A; der Abgesang a wurde auf die Melodie des Refrains A gesungen

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Caccia

im 14./15 Jahrhundert in Italien ein 2stimmiger vokaler Kanon, zu dem sich eine dritte, instrumentale Stützstimme gesellte. Der Name Caccia ("Jagd") läßt sich von der kanonartigen Technik, aber auch vom Text – er behandelt Jagd- und andere realistische Szenen – her erklären

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Ballade

ursprünglich ein Tanzlied, wird die Ballade im 14./15. Jahrhundert in Frankreich und Italien ein strophisches Sololied mit Refrain, meist für eine Männerstimme und zwei- bis dreistimmige Instrumentalbegleitung; die Melodik ist affekthaft und expressiv. Hauptmeister ist Guillaume de Machaut

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Mensur, Mensuralnotation

Die Mensur zeigt an, in welchem metrischen Verhältnis eine Note zu der nächst kleineren steht: eine unpunktierte Note kann den Wert von 2 oder 3 kleineren Noten haben (imperfekte oder perfekte Mensur). Diese Wertigkeit wird bestimmt durch die vorherrschende Mensur (Mensur-Zeichen, Notenwerte). Notenwerte waren Brevis, Semibrevis und Longa sowie Minima und Semiminima mit ihren verschiedenen Tempi. Die Proportionen legen die Vergrößerung oder Verkleinerung metrischer Werte in bestimmten Verhältnissen (wie 1:2, 2:3 usw.) fest

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Isorhythmik

Tonsätze, in denen unabhängig von Melodie und Text ein rhythmisches Grundgerüst mehrmals genau wiederholt wird (vor allem in der isorhythmischen Motette des 14. Jahrhunderts). Differieren dabei die Länge von Melodie/Text und Rhythmusmodul, setzt das Rhythmusmodul jeweils an einer anderen Stelle von Melodie/Textes neu ein, gibt es die typischen isorhythmischen Variationen



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