RenaissanceFranko-flämische Musik 1460-1600

1460 bis 1490
Johannes
Ockeghem
1490 bis 1520
Jacob Obrecht
Josquin Desprez
Heinrich Isaak
1520 bis 1560
Nicolas Gombert
Adrian Willaert
Clemens non
papa
1560 bis 1600
Phillip de Monte mit Foto:
Orlando di Lasso Pierluigi Palästrina

1460 bis 1490

Der erste Höhepunkt der franko-flämischen Musik: Johannes Ockeghem aus Flandern. Er setzt sich entscheidend mit dem burgundischen Stil auseinander. In seinem Schaffen überwiegt die Messe, in der er das Neue entwickelt (Messe und gesellige Kunst ab jetzt getrennt). Neuer Klang durch Einbeziehung der Baßregion, durch die Abkehr vom Liedhaften und Regelmäßigen,durch Varietas-Gestaltung,die auf einen Cantus firmus im Tenor oder überhaupt verzichtet. In der Satztechnik statt Imitationen ein freies motivisches Variationsprinzip, zielt auf ausgeprägte Singstimmen und einen großartigen Klangstrom – "Singstil".


Johannes Ockeghem

um 1425 (Termonde) bis 1495 (Tours), franko-flämischer Komponist, Sänger und Kapellmeister in Antwerpen und am französischen Königshof, schließlich Schatzmeister der Abtei St. Martin in Tours. Seine berühmte 32stimmige Messe ist nicht erhalten, Hauptwerk Missa Prolationum.
Kompositionen: 10 Messen, Messenteile, Motetten, Chansons

1490 bis 1520

Die Kunst Ockeghem wirkt altertümlich im Vergleich zu der von Jacob Obrecht und Josquin Desprez. Bei ihnen treffen besonders niederländische Traditionen und italienische Einflüsse zusammen, im Gegensatz zu Pierre de la Rue, der keine Beziehungen zu Italien hatte und extremer Vertreter der niederländischen Kanonkünste ist. Die Wende zum neuen Jahrhundert bringt einen Stilumschwung, der sich am deutlichsten bei Josquin zeigt und die Hochblüte des A-capella-Stils des 16. Jahrhunderts begründete. Die Musik wird in klarer, übersichtlicher Weise angelegt (Sequenz, Ostinato, Prinzip der Wiederholung, Durchimitation, Stimmpaare), die Stimmen mehr und mehr in gesanglichen Linien geführt. Chorspaltungen und unerhörte klangliche Verdichtungen kennzeichnen die reifsten Werke Josquins. Messen und Motetten sind von höchst individuellem Ausdruck, die Textausdeutung wird zum primären Anliegen. Daraus resultiert um 1500 die Wende zur Durchkomponierung in der geselligen Kunst. Der Baß wird zum Harmonieträger (Funktionsharmonik). In der Messe baut Josquin das Parodieverfahren aus.
Der vor allem in Italien tätige Heinrich Isaak war einer der vielfältigsten Niederländer. Mit Joquin und Obrecht gehörte er zu den Schöpfern des vollstimmigen Satzes, im Unterschied zu ihnen komponierte er aber ebenso im Stil des deutschen Liedes oder der italienischen Frottola. Weitere wichtige Komponisten der Zeit Alexander Agricola, Jean Ghiselin

zurück

Jacob Obrecht

1450? (Bergen op Zoom?) bis 1505 (Ferrara), franko-flämischer Komponist und Kapellmeister, tätig vor allem in den Niederlanden.
Außenseiter, im wesentlichen der überlieferten durchimitierenden vokal-polyphonen Kunst verhaftet.
etwa 25 Messen, etwa 30 Motetten, Lieder auf Texte mit niederländischer, italienischer und französischer Sprache

zurück

Josquin Desprez

auch de Pres, etwa 1450 (Picardie) bis1521 (Conde), französischer Komponist. Durch seine syntaktisch und deklamatorisch gegliederten ausdrucksvollen Tonsprache ein enges Verhältnis zwischen Wort und Musik. "Fürst der Musik". Die Verdammung der weltlichen Melodien als Tenor durch die Kirche sowie der barocke Umbruch trugen zur Abschwächung seines Ruhmes bei.
3 Bände vier-, fünf-, und sechsstimmige Messen, Motetten und Chansons

zurück

Heinrich Isaak

(it. Arrigo Tedesco), vor 1450 bis 1517 (Florenz), flämischer Komponist, an verschiedenen Höfen wirksam. Früher deutscher Liedmeister (Innsbruck, ich muß dich lassen, Mein Freud allein in aller Welt), komponierte auch niederländische Chansons und italienische Frottola, er beherrschte alle drei Stile, seine mehrstimmigen, im niederländischen Typus gebauten Sätze haben die Melodie oft in der Oberstimme.
Hauptwerk: Proprium-Komposition mit dem das ganze Kirchenjahr umfassenden Werk des Choralis Constantinus, weiter 25 deutsche Lieder, Messen

zurück

1520 bis 1560

Nicolas Gombert, Adrian Willaert und Clemens non papa gingen von den Neuerungen Josquins aus und strebten nach einer weiteren Verfeinerung des Stils. Fünf- und Sechsstimmigkeit wurde Norm, charakteristisch: Gleichwertigkeit der Stimmen, voller Chorklang, Zusammenfassung von Stimmgruppen zur Chorteilung, Wechsel von mehr akkordlichen und mehr stimmlichen Partien. Wort und Musik noch enger verknüpft (Wortmalereien, Stimmtonfall wird nachgeahmt). Parodieverfahren in der Meßkomposition (weltl. Lieder werden geistlich umgedeutet). Motette: Gombert geht zur systematischen Durchimitation frei erfundener, wortgezeugter Motive über, schreibt fünfstimmige Werke; Clemens nun papa mit einer vom Chanson beeinflußten syllabischen Deklamation und weitgehender Annäherung an den kadenzierenden Stil. Bei Willaert auch Motetten, daneben aber mit J, Arcadelt und P. Verdelot Begründer des italienischen Madrigals. Auf Willaert geht auch die Entstehung der Mehrchörigkeit zurück (8stimmige Vesperpsalmen). Zur gleichen Zeit bilden sich neben dem affekthaften Madrigal die nationalen Liedformen Villanella und Chanson heraus.
Weitere wichtige Komponisten: Jean LeCocq, Etienne Dutertre, Stephan Mahu

zurück

Nicolas Gombert

gest. um 1556, flämischer Komponist, an Höfen tätig, später geistliche Ämter und Lehen (Tournai), Schwerpunkt seines Schaffens: Motette mit der für ihn typischen Dichte des polyphonen Satzes.
10 Messen, etwa 160 Motetten, 8 Magnificat, etwa 60 Chansons, ein italienisches Madrigal

zurück

Adrian Willaert

1480/90 (Brügge oder Roulers) bis1562 (Venedig), franko-flämischer Komponist, an Höfen tätig, dann Kapellmeister an San Marco in Venedig Andrea Gabrieli war sein Schüler (Doppelchörigkeit in San Marco).
Zahlreiche Motetten, Madrigale, Chansons, Messen und Instrumentalstücke in italienischen, französischen, deutschen und niederländischen Sammeldrucken der Zeit sowie handschriftlich erhalten

zurück

Jacobus Clemens non papa

um 1510 bis um 1556 (Dixmuiden), franko-flämischer Komponist, tätig in den Niederlanden.
Besonders mit den Psalmenliedern, aber auch als klanggewaltiger Kontrapunktiker in seinen Messen und Motetten gehörte Clemens zu den wichtigsten Meistern der vorpalestrinensischen Zeit.
mehrere vier- bis sechsstimmige Messen, Motetten, Chansons sowie 3stimmige volkstümliche holländische Psalmenlieder

zurück

1560 bis 1600

Italien wird durch Ausprägung eigener Stilmittel (Römische und Venezianische Schule) führend, in zentralen Stellen weiter nordfranzösisch-flämische Musiker. Musikalischer Ausdruck noch stärker an Wortinhalt gebunden, Technik ins Virtuose gesteigert zwecks affekthafter musikalischer Sprache (Madrigal). Die weltlichen Gattungen zukunftsweisend bei den Neuerungen, Messe tritt zurück, Motette führend, auch im Schaffen Orlando di Lassos (fünf- und sechsstimmig), dem vielseitigstem und produktivstem Komponist des Jahrhunderts. Bei Philipp de Monte sind Motette und Madrigal in gleichem Maße vertreten. Prägnante, dichte Polyphonie ist für di Lasso kennzeichnend, sie stellt die letzte Blüte der niederländischen textgebundenen Vokalpolyphonie dar. Die intensive eindringliche Textinterpretation erlebt nochmals eine Steigerung, alle kompositorischen Mittel werden in ihren Dienst gestellt und von di Lasso souverän gehandhabt: durchkomponierte erweiterte Chromatik, akkordlicher Satz neben frei imitierenden Partien, rhythmische Verschiebungen, Steigerung der Stimmenzahl. Das Madrigal wird zunehmend anspruchsvoller, schließlich sechsstimmig und verwendet auch geistliche Texte.
Durch seine kühn gesteigerte dramatische Affektsprache und allmählichem Verlust der Selbständigkeit der Stimmen bereitet er den monodischen Stil mit vor, der sich deutlich gegen die niederländische Kunst richtet und deren Abschluß besiegelt. Aber Fortführung in der deutschen polyphonen Tradition (Orgelmusik).
Weitere wichtige Komponisten sind Giovanni Pierluigi Palestrina und Giovanni Bassani.

zurück

Orlando di Lasso

um 1532 (Mons) bis 1594 (München), franko-flämischer Komponist, in Italien (u.a. Lateran-Kapelle), Antwerpen und München tätig, Schüler u.a. G. Gabrieli. di Lassos Werke (über 2000) erschienen zwischen 1555 und1595.
Im Mittelpunkt 1200 Motetten aller Gattungen, unter denen cantus-firmus-freie und solche mit gelockerter Cantus-firmus-Bindung, die für di Lasso typisch sind ("Liedmotetten"), von starker Harmoniewirkung, dieWortdeklamation ist ausgeprägt. Neben den Messen und Motetten weltliche Musik: italienische Madrigale, französische Chansons, deutsche Lieder. "König der Musik" – europäischer Komponist, der alle Stilmittel seiner Epoche beherrschte und verarbeitete

zurück

Philipp de Monte

1521 (Mecheln) bis 1603 (Prag), franko-flämischer Konponist, an verschiedenen Höfen, zuletzt in Wien, in seiner Zeit berühmter Kapellmeister.
Etwa 1200 weltliche und geistliche Madrigale, 45 Chansons, 300 Motetten, 38 Messen

Giovanni Pierluigi Palestrina

1525 (Palestrina) bis 1594 (Rom), italienischer Komponist, seit 1551 Kapellmeister der Peterskirche.
Palestrinas wortdeutender, textverständlicher, unpolyphoner A-capella-Stil ist ungeachtet des Umstandes, daß der Charakter seines Schaffens durchaus reicher war (franko-flämische Traditionen, sinnhafte Melodik aus römischer Lokaltradition) zu einem Typusbegriff geworden: In der Beschränkung auf bestimmte Formen und Gattungen sowie der Bevorzugung der A-capella-Praxis hat er innerhalb seiner Epoche in bestimmten Sinn traditionell-retardierend gewirkt (aber an Frühentwicklung des Oratoriums beteiligt).
Umfangreiches Schaffen: allein 94 gedruckte Messen, 202 Motetten, weiter Litaneien, Magnifikate, geistl. Madrigale

zurück

 

 



© Copyright 2001 by JADU von roger

www.jadu.de

 

Webmaster