RenaissanceFranko-flämische Musik 1460-1600
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Der erste Höhepunkt der franko-flämischen
Musik: Johannes Ockeghem aus Flandern. Er setzt
sich entscheidend mit dem burgundischen Stil auseinander. In seinem
Schaffen überwiegt die Messe, in der er das Neue entwickelt (Messe
und gesellige Kunst ab jetzt getrennt). Neuer Klang durch Einbeziehung
der Baßregion, durch die Abkehr vom Liedhaften und Regelmäßigen,durch
Varietas-Gestaltung,die auf einen Cantus firmus im Tenor oder überhaupt
verzichtet. In der Satztechnik statt Imitationen
ein freies motivisches Variationsprinzip,
zielt auf ausgeprägte Singstimmen und einen großartigen Klangstrom
"Singstil". |
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um 1425 (Termonde) bis 1495 (Tours), franko-flämischer
Komponist, Sänger und Kapellmeister in Antwerpen und am französischen
Königshof, schließlich Schatzmeister der Abtei St. Martin
in Tours. Seine berühmte 32stimmige Messe ist nicht erhalten, Hauptwerk
Missa Prolationum. |
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Die Kunst Ockeghem wirkt altertümlich
im Vergleich zu der von Jacob Obrecht und Josquin
Desprez. Bei ihnen treffen besonders niederländische Traditionen
und italienische Einflüsse zusammen, im Gegensatz zu Pierre de
la Rue, der keine Beziehungen zu Italien hatte und extremer Vertreter
der niederländischen Kanonkünste ist. Die Wende zum neuen
Jahrhundert bringt einen Stilumschwung, der sich am deutlichsten bei
Josquin zeigt und die Hochblüte des A-capella-Stils des 16. Jahrhunderts
begründete. Die Musik wird in klarer, übersichtlicher Weise
angelegt (Sequenz, Ostinato,
Prinzip der Wiederholung, Durchimitation,
Stimmpaare), die Stimmen mehr und mehr in gesanglichen Linien geführt.
Chorspaltungen und unerhörte klangliche Verdichtungen kennzeichnen
die reifsten Werke Josquins. Messen und Motetten sind von höchst
individuellem Ausdruck, die Textausdeutung wird zum primären Anliegen.
Daraus resultiert um 1500 die Wende zur Durchkomponierung in der geselligen
Kunst. Der Baß wird zum Harmonieträger (Funktionsharmonik).
In der Messe baut Josquin das Parodieverfahren aus. |
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1450? (Bergen op Zoom?) bis 1505 (Ferrara), franko-flämischer
Komponist und Kapellmeister, tätig vor allem in den Niederlanden. |
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auch de Pres, etwa 1450 (Picardie) bis1521 (Conde), französischer
Komponist. Durch seine syntaktisch und deklamatorisch gegliederten ausdrucksvollen
Tonsprache ein enges Verhältnis zwischen Wort und Musik. "Fürst
der Musik". Die Verdammung der weltlichen Melodien als Tenor durch
die Kirche sowie der barocke Umbruch trugen zur Abschwächung seines
Ruhmes bei. |
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(it. Arrigo Tedesco), vor 1450 bis 1517 (Florenz), flämischer
Komponist, an verschiedenen Höfen wirksam. Früher deutscher
Liedmeister (Innsbruck, ich muß dich lassen, Mein Freud allein
in aller Welt), komponierte auch niederländische Chansons
und italienische Frottola, er
beherrschte alle drei Stile, seine mehrstimmigen, im niederländischen
Typus gebauten Sätze haben die Melodie oft in der Oberstimme. |
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Nicolas Gombert,
Adrian Willaert und Clemens
non papa gingen von den Neuerungen Josquins aus und strebten nach
einer weiteren Verfeinerung des Stils. Fünf- und Sechsstimmigkeit
wurde Norm, charakteristisch: Gleichwertigkeit der Stimmen, voller Chorklang,
Zusammenfassung von Stimmgruppen zur Chorteilung, Wechsel von mehr akkordlichen
und mehr stimmlichen Partien. Wort und Musik noch enger verknüpft
(Wortmalereien, Stimmtonfall wird nachgeahmt). Parodieverfahren in der
Meßkomposition (weltl. Lieder werden geistlich umgedeutet). Motette:
Gombert geht zur systematischen Durchimitation frei erfundener, wortgezeugter
Motive über, schreibt fünfstimmige Werke; Clemens nun papa
mit einer vom Chanson beeinflußten syllabischen Deklamation und
weitgehender Annäherung an den kadenzierenden Stil. Bei Willaert
auch Motetten, daneben aber mit J, Arcadelt und P. Verdelot Begründer
des italienischen Madrigals.
Auf Willaert geht auch die Entstehung der Mehrchörigkeit zurück
(8stimmige Vesperpsalmen). Zur gleichen Zeit bilden sich neben dem affekthaften
Madrigal die nationalen Liedformen Villanella
und Chanson heraus. |
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gest. um 1556, flämischer Komponist, an Höfen
tätig, später geistliche Ämter und Lehen (Tournai), Schwerpunkt
seines Schaffens: Motette mit der für ihn typischen Dichte des
polyphonen Satzes. |
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1480/90 (Brügge oder Roulers) bis1562 (Venedig),
franko-flämischer Komponist, an Höfen tätig, dann Kapellmeister
an San Marco in Venedig Andrea Gabrieli war sein Schüler (Doppelchörigkeit
in San Marco). |
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um 1510 bis um 1556 (Dixmuiden), franko-flämischer
Komponist, tätig in den Niederlanden. |
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Italien wird durch Ausprägung eigener
Stilmittel (Römische und Venezianische Schule) führend, in
zentralen Stellen weiter nordfranzösisch-flämische Musiker.
Musikalischer Ausdruck noch stärker an Wortinhalt gebunden, Technik
ins Virtuose gesteigert zwecks affekthafter musikalischer Sprache (Madrigal).
Die weltlichen Gattungen zukunftsweisend bei den Neuerungen, Messe tritt
zurück, Motette führend, auch im Schaffen Orlando
di Lassos (fünf- und sechsstimmig), dem vielseitigstem und
produktivstem Komponist des Jahrhunderts. Bei Philipp
de Monte sind Motette und Madrigal in gleichem Maße vertreten.
Prägnante, dichte Polyphonie ist für di Lasso kennzeichnend,
sie stellt die letzte Blüte der niederländischen textgebundenen
Vokalpolyphonie dar. Die intensive eindringliche Textinterpretation
erlebt nochmals eine Steigerung, alle kompositorischen Mittel werden
in ihren Dienst gestellt und von di Lasso souverän gehandhabt:
durchkomponierte erweiterte Chromatik, akkordlicher Satz neben frei
imitierenden Partien, rhythmische Verschiebungen, Steigerung der Stimmenzahl.
Das Madrigal wird zunehmend anspruchsvoller, schließlich sechsstimmig
und verwendet auch geistliche Texte. |
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um 1532 (Mons) bis 1594 (München), franko-flämischer
Komponist, in Italien (u.a. Lateran-Kapelle), Antwerpen und München
tätig, Schüler u.a. G. Gabrieli. di Lassos Werke (über
2000) erschienen zwischen 1555 und1595. |
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1521 (Mecheln) bis 1603 (Prag), franko-flämischer
Konponist, an verschiedenen Höfen, zuletzt in Wien, in seiner Zeit
berühmter Kapellmeister. |
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1525 (Palestrina) bis 1594 (Rom), italienischer Komponist, seit 1551
Kapellmeister der Peterskirche. |