RenaissanceDeutsche Renaissance 1420-1600

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Grundlage ist die Blüte des Volksliedes im 15./16. Jh., Ausdruck des aufstrebenden Bürgertums nördlich der Alpen. Bergbau, Städte, Handel waren führend mit in Europa, bildeten die Basis für das frühe Kapital (Fugger). Wie in Italien (Frottola, Villanella,Balletti als Vorfomen des Madrigals) wird das deutsche Volkslied zum Ausgangspunkt der abseits von den Hochburgen der Polyphonie sich vollziehenden Erneuerung der Kunstmusik. Bezeichnend die aus dieser Zeit überlieferten Sammlungen, deren Sätze ebenbürtige Nachfolger fanden im Barock (Heinrich Albert, Adam Krieger) und im 18. Jh. (Liedschulen). Die bekanntesten Liederbücher sind das "Glogauer Liederbuch", das "Görlitzer Liederbuch" und das "Lochamer Liederbuch", aus dem letzten stammen so bekannte Lieder wie "All mein Gedanken, die ich hab" und "Ich fahr dahin".
Noch können die Komponisten jener Zeit ihre Zugehörigkeit zur polyphonen Praxis der im Trend liegenden Niederländer nicht verleugnen, doch pflegten sie einen schlichten, nur ab und an kontrapunktisch umspielten Liedsatz wie beispielsweise im Quodlibet. Als Bearbeiter des mehrstimmigen Liedes taten sich hervor: Heinrich Isaak (1450-1517, siehe Franko-flämische Musik), in Diensten Kaiser Maximilians I. und Lorenzo de Medicis, mit dem Satz "Innsbruck, ich muß dich lassen", Heinrich Finck (um 1445-1527), Adam von Fulda (1445-1505, Hofkpm. Friedrich des Weisen, Paul Hofhaimer(1459-1537), auch bedeutender Orgelspieler, Thomas Stolzer um 1465-1526), Laurenz Lemlin (*1585), Ludwig Senfl (um 1490-1543), Kaspar Orthmayr (1515-1553) und Georg Gumpelzhaimer (1555-1625). Meister von Rom sanktionierter Chorkomposition war Jacobus Gallus (1550 -1591), Meister der protestantischen Musik Johannes Eccard (1553-1611), beide Vorläufer der venzianischen Schule.
Erwähnt müssen hier auch die im deutschen Sprachraum tätigen "Niederländer", wie Mattheus le Maistre (gest. 1577), Orlando di Lasso (1532-1594), Jakob Regnart (um 1540-1599) und Leonard Lechner (1553 bis 1606), die mit ihrer Motettenkunst auf der Höhe der Zeit standen (siehe auch Franko-flämische Musik). 

Neben dem Lied erlebte auch die Instrumentalmusik einen Aufschwung. Als Begleitung im Mittelalter vor allem (Minnesänger), wird sie als bürgerliche Haus-, Gebrauchs- und Repräsentationsmusik mehr und mehr eigenständig. Hausorgel (Portativ) und Laute sind als Instrumente für Hausmusik sehr beliebt, intavolierte, das heißt auf Instrumente übertragene Volksliedersätze werden durch Fiegende Blätter verbreitet. Eine entscheidende Rolle spielt dabei das Aufkommen des Notendrucks (Augsburg 1512, Mainz 1513). Eine auch als Instrumentalmusik ausgewiesene berühmte Liedersammlung sind beispielsweise die 5 Bände des Georg Forster1539-1556). Bedeutender ist aber das "Fundamentum organisandi" des blinden Organisten Conrad Paumann (1452), das mit seine Liedsätzen, Lehr- und Improvisations-Beispielen die schon zu damaliger Zeit hohe Kunst des Orgelspiels nachweist. Paumann ist der Erfinder der wichtigsten Orgeltabulatur. Weitere Orgeltabulaturen sind von Arnold Schlick (gest. nach 1527) und Nikolaus Elias Ammerbach (um 1530-1597). Daneben gab es weitere Tabulaturen für Laute und andere Instrumente. Unter den Lautenisten sind Hans Judenkunig (1460-1526) und Hans Newsidler (um 1508-1563) die bekanntesten.

Ständchen mit Blockföten und Laute, um 1500

Das Musikleben in den Städten war vielseitig. Neben der allmächtigen Kirche mit Messe und Choralgesang und den Meistersingerschulen (siehe Seite), die in vielen größeren Städten Bestandteil des öffentlichen Lebens geworden waren und die die Tradition der Minnersänger fortführten, waren es vor allem die seßhaft gewordenen Spielleute, die "die Musik machten", in den kleinen Städten als Turmbläser, Stadtpfeifer, Ratsmusikanten, in den größeren wie Wien waren es gar Bruderschaften. Die Aufgaben waren vielseitig – das Turmblasen gehörte genau so dazu wie festliche Musik für den Rat, Choralblasen ebenso wie das Aufspielen zu Umzügen und Tanz. Ein reiches Instrumentarium hatte sich herausgebildet: Blasinstrumente Schalmei (Klarinette), Schnabel- (Block-)Flöte, Zink (Kornett), Dulzian (Fagott) und Busaune (Posaune), Streich- und Zupfinstrumente Gambe, Viole, Drehleier, Laute, Gitarre, Harfe und nicht zuletzt viele Formen von Schlaginstrumenten, wie Pauken, Tommeln, Klanghölzer und anderes.

Reformation/Humanismus

Der Mönch und Reformator Martin Luther (1483-1546) war nicht nur ein leidenschaftlicher Revolutionär und gesellschaftlicher Erneuerer, Bibelübersetzer und Pädagoge, sondern auch ein musikalischer Poet, dem das evangelische Gesangbuch 36 Choraldichtungen verdankt (zum Teil Übersetzungen lateinischer Hymnen). Bekannt: "Vom Himmel hoch da komm ich her". Erster Kantor der jungen wittenbergischen Gemeinde wurde Johann Walther (1496-1570), der mit dem "Geystlich Gesanhk Buchleyn" Vorreiter protestantischer Musik wurde. Auf Luther geht die Wertschätzung der Musik in der Ausbildung der Jugend zurück, der Gesangunterricht wurde in den protestantischen Schulen zu einer Stütze der neuen Religion. Noch wichtiger als Walthers Gesangsbuch wurden die "Newe deudsche Geistliche Geseng" von Georg Rhaw (erschienen 1544 in Wittenberg) mit eigenen und Choralsätzen von Ludwig Senfl, Thomas Stolzer und Sixt Dietrich. Sie waren für die "gemeinen Schulen" bestimmt und förderten die Verbreitung des neuen evangelischen Liedguts. Hüter und Wahrer des protestantischen Chorals wurde der Kantor, der als Organist und Gehilfe bei Gottesdiensten daneben auch wichtige Funktionen in der Gemeinde als Lehrer, Schreiber und anderes übernahm.
Strenger als die kunstfreundliche Renaissance in Italien bemühte sich der Humanismus nördlich der Alpen um ein neues Menschenbild. Ihm kam es mehr darauf an, durch das Studium der Antike die philologische und sittliche Bildung des Menschen in den Vordergrund zu stellen. Das betrifft auch die musische Erziehung. Luthers Bemühungen deckten sich durchaus mit den Anforderungen seiner Zeit, den Zielen und Bestrebungen bekannter Humanisten. So werden nicht nur die protestantischen Schulen eine Heimstatt der Musik, auch in Universitäten, Lateinschulen und anderen wird Musik zum Bestandteil des schulischen Lebens (Schuldrama, Schulchor, Collegium musicum – z.B. Thomasschule in Leipzig), wobei sich die erzieherische Absicht durchaus mit den tagesaktuellen Anforderungen wie der Ausgestaltung der Gottesdienste deckte.

Italienische Renaissance

Ausgangspunkte sind das Treccento und Johannes Ciconia, der nationale Stil fügt sich in den niederländischen Trend ein (die wichtigsten Stellungen werden – vor allem im 16. Jh. – von Burgundern, Flamen und Nordfranzosen besetzt). Schwerpunkt bei den italienischen Komponisten ist die Entwicklung des Madrigals als aus der italienischen Volksmusik entwachsenden polyphone Form. Daneben Messen, Motetten, Hymnen. Meister sind Franchino Gaffurio (1451-1522) und vor allem Contanzo Festa (1580-1545, Rom), dessen Te deum heute noch aufgeführt wird. Entsprechend der italienischen Besonderheit – der Konzentration der fürstlichen Höfe auf die Städte (Palazzi) – bilden sich im Gefolge sogenannte Schulen, die dann im 16. Jh. musikalisches Leben und Entwicklung in den Städten bestimmen (Mantua, Cremona, Ferrara u.a.) Von Bedeutung für die weitere Entwicklung (absolutistische Kunst wie Monodie, Oper, Oratorium, Instrumentalmusik) werden die Schulen der Römer, der Florentiner, der Venezianer und später der Neapolitaner.
Zentrale Persönlichkeit des 16. Jh. ist Andrea Gabrieli (1510-1586), Meister-Organist von San Marco in Venedig, ein Schüler Willaerts, der die Mehrchörigkeit der Niederländer übernahm und in die Kirchenpraxis übernahm (ungeahnte Hörerlebnisse in San Marco). Er begründete die venezianische Schule, legte viel Wert auf instrumentale Begleitung (Vorformen der Instrumentalmusik seines Neffen Giovanni Gabrieli). Weitere Komponisten des ausgehenden 16. Jh. ( und damit direkte Vorläufer des Stilumbruchs zur Generalbasszeit): Constanzo Porta (1530-1601, Venedig), Alessandro Striggio (*1535, Florenz), Madrigale, Giovanni Gastoldi (1550-1622), Tanzlieder, Oracio Vecchi (1550-1605), Giovanni Croce (1557-1609, Venedig), Madrigale. Von Bedeutung: Luca Marenzio (1554-1599, auch Venedig), Madrigale, Neuerer, mit direktem Einfluß auf Monteverdi, auf deutsche und englische Komponisten, berühmt durch seine expressive Harmonik, und Don Carlo Gesualdo (1560-1613), Madrigale, mit seinem der Enharmonik nahekommendem Stil, der sogenannte "Gesualdo-Stil".
Im Renaissance-Geist musiktheoretisches Wirken, so von Lautenvirtuose Vincenzo Galilei (1520-1591, Vater von Galileo G.), Mitglied der Florentiner Camarata, Orgelvirtuose Girolamo Diruta (*1561), der das Spiel auf Tasteninstrumenten beschrieb, vor allem aber Gioseffo Zarlino (1517-1590), der das in der Renaissance vordringende Dur/Moll-System erstmals theoretisch begründete.



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