Bürgerliche EmanzipationRokoko 1740 bis 1790

Bachs Söhne*
Mannheimer
Johann Stamitz
Komponisten
von Opern

Giovanni B. Pergolesi

1. Bachs Söhne, Berliner Klassik: Die erklärte Absicht, im Gegensatz zum Vater im neuen Stil zu komponieren, brachte vor allem die beiden ältesten Söhne, Wilhelm Friedemann Bach (1710-1784) und Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788), in erhebliche Schwierigkeiten im Umgang mit der höfischen Umwelt und im besonderen mit dem "italienisierten" Hof Friedrich II. Während Friedemann Bach verarmt in Berlin starb, floh Philipp Emanuel nach Hamburg und übernahm das Amt seines Patenonkels Telemann als Stadt-Kirchendirektor und Kantor. In ihrer Berliner Zeit entstand die sogenannte Berliner Klassik mit berühmten Musikern und Komponisten sowie Liedschulen (siehe Klassik I). Zur Hofkapelle gehörten der Flötist Joachim Quantz (1697-1773), die Brüder Johann Gottlieb Graun (1702-1771), Geiger, und Carl Heinrich Graun (1703-1759), Kapellmeister und Komponist (z.B. der zu seiner Zeit bekannten Passionskantate "Der Tod Jesu") sowie die Tschechen Franz Benda (1709-1776), Geiger, und Georg (Jiri) Benda (1722-1795), auch Hofkapellmeister in Gotha und als Singspielkomponist damals beliebt.
Johann Christoph Friedrich Bach (1732-1795) am Bückeburger Hof trat mit Klaviersonaten und Kammermusik hervor (fast im Mozartschen Stil) sowie mit Oratorien auf Texte von Herder, zur selben Zeit Hofpediger in Bückeburg. Johann Christian Bach (1735-1782) widmete sich schließlich in Italien und England der Opernkomposition, die er – in der Tradition Händels – in London zur Aufführung brachte (Abel-Bach-Konzerte). Daneben zahlreiche liebenswürdige Sinfonien und Klaviersonaten (die Mozart kannte).
 2. Die Mannheimer: Getragen von böhmischen und mährischen Musikanten, sind sie am neuen Stil wesentlich beteiligt – die zyklische Form der Sonate mit festgeführter Periodisierung und zweiten Sonatenthema (dazu: Menuett-Satz), das Aufgeben des Generalbass-Schemas und die Kontrastierung von Thematik und Dymanik mit starker Ausweitung der Orchestersprache (Instrumentierung, Affektmittel, "das Mannheimer Crescendo", Klarinettenklang).
1. Generation – Franz Richter (1709-1789), Sinfonien, Kirchenmusik, Ignaz Holzbauer (1711-1783), Sinfonien, Opern, Johann Stamitz (1717-1757), Sinfonien, Anton Filtz (1730-1760), Sinfonien
2. Generation – Franz Beck (1723-1809), Christian Cannabich (1731-1798), 100 Sinfonien, 50 Ballette, Kinder Karl Stamitz (1745-1801) und Anton Stamitz (1754-1809), Georg Joseph "Abt" Vogler (1749-1814)
3. Generation (Fortbildner) – Danzi, Cramer, Schobert, Eckart, Eichner, Kraus, nicht zuletzt Johann Christian Bach. Mozart war oft in Mannheim. Carl Maria von Webers ganze Orchestersprache, seine Bevorzugung der Klarinette, des Horns beruhen auf Stamitz 's Farbreichtum.
3. Die italienischen Vituosen (-Komponisten): Der gefällige Rokoko-Klang in ihrer Zeit berühmter Italiener wie die Sinfonien des Sammartini, die Streichquartette Boccherinis oder die Sonaten Clementis (formbildend alle) – vergessen, aufgeführt werden noch die Konzerte des bevorzugten Instruments.
Guiseppe Tartini (1692-1770), Geiger 140 Violinkonzerte, Pietro Locatelli (1695-1764), Geiger, 12 Concerti, Giovanni Battista Sammartini (1698-1775), Orgel, Sinfonien mit Sonatensätzen, bedeutsam für die Großform der Sinfonie (Mailänder, zu Bruder Giuseppe, dem Londoner), Pietro Pugnani (1731-1798), Geiger, Luigi Boccherini (1743-1805), Cellist, 200 Streichquartette, Cellokonzerte, Madrid, Muzio Clementi (1752-1832), Pianist, Klaviersonaten, Giovanni Battista Viotti (1753-1824), Geiger, 23 Konzerte für Violine, Paris. Dazu: Jean-Marie Leclair (1697-1764), frz. Geiger, Frantisek Dusek (1731-1799), Begr. der tschechischen Pianisten-Schule, Freund Mozarts, Friedrich II., Flöte (wird auch ab und zu aufgeführt)

P. Locatelli, J. Quantz, Joh. Adam Hiller, Andre E. M. Gretry ,L. Boccherini, Dmitri S. Bortnjanski, M. Clementi

4. Komponisten für Bühnenwerke: Giovanni Battista Pergolesi (1710-1736), Neapel, beachtlich auch als Komponist von Kirchenmusik (Messen, Stabat mater). Das ursprüngliche als Intermezzo gedachte "Die Magd als Herrin" (1733), das die Opera buffo begründete, steht für den Beginn des Rokoko, ist ein wichtiger Schritt bei der Ablösung der Barockoper durch die bürgerliche Oper.
Weitere (siehe Oper): neapolitanische Form der Opera seria – Hasse, Jommelli, Schweitzer, Myslivsek,auch Sinfonien, Oratorien, Messen, Bortnjanski, ebenfalls Kirchenmusik; Opera buffo – Logroscino, Galuppi, Meyer, Piccini, Paisiello; Opera comique – Philidor, Monsigny, Gossec, auch Instrumentalmusik, Getry; Singspiel – Hiller, Neefe, Schulz, Hartmann, Kunzen
5. Lokales
England: Die typisch englischen Gattungen "catch" (Singstück, anfangs Kanonform, später geselliges Chorlied) und "glee" (mehrstimmiges choralähnliches Lied) fanden in Thomas Arne (1710-1778), Benjamin Cooke (1734-1793) und Samuel Webbe (1740-1816) ihre Hauptvertreter.
• Polen: 1765 wurde das Warschauer Nationaltheater gegründet, 1778 entstand die erste polnische Oper "Glück im Unglück" von Matthias Kamienski (1734-1793), die aber von Hof und Adel abgelehnt wurde. Bekannt die Sinfoniker A. Milwid und W. Dankowski.
• Ungarn: Das erste szenische Musikwerk, die Komödie "Prinz Pikko und Juttka Perzy" von J. Hunday, wurde 1793 in Buda aufgeführt.
• Spanien: Italienisch geprägt (D. Scarlatti, Boccherini) die Komponisten D. Perez (1711-1778), D. Toradellas (1713-1751) und V. Martin y Soler (1754-1806)
• Schweden: Liedkomponisten Carl Michael Bellmann (1740-1793) und Johann Frederik Palm (1753-1821). Die schwedische Oper begründeten Ausländer – F.A. Uttini, Thetis och Pelee (1773), erste Oper in schwedischer Sprache, G. Naumann (1741-1801), Gustav Wasa (1786), und J.M. Kraus (1756-1792)
Dazu: Der erste in USA Geborene, der weltliche Musik komponierte, Francis Hopkinson (1739-1791)



Wilhelm Friedemann Bach

1710 Weimar-1784 Berlin, Komponist, Orgel- und Klaviervirtuose, Sohn Joh. Seb. Bachs, Organist in Dresden und Halle, danach als freier Künstler (unstetes Leben), "Sturm-und-Drang", teilweise an die Wiener Klassik heranreichend, bedeutender Klavierimprovisator.
Werke: 9 Sinfonien, 5 Klavierkonzerte, verschiedene Sonaten, Fantasien, Polonaisen, 12 Fugen, 7 Orgelchoräle, Kantaten u.a.

Carl Philipp Emanuel Bach

1714 Weimar-1788 Hamburg, Pianist und Komponist, Sohn Joh. Seb. Bachs, am Berliner Hof, dann in Hamburg Musikdirektor der 5 Hauptkirchen. In der frühklass. Klaviermusik führend, war er von Einfluß auf die Sonate bei Haydn und Mozart. In seinem ungewöhnliche poetischen Ausdruckswillen und ausgeprägten persönlichen Stil steht er als Vermittler zwischen seinem Vater und der Wiener Klassik.
Werke: 19 Sinfonien, 50 Klavierkonzerte, 200 Klaviersonaten, 20 Passionsmusiken, 30 Motetten, Magnificat, Oden
als Pianist: seit 1740 Kammercembalist in der Privatkapelle Friedrichs II., nach 1763 Nachfolger Telemanns in Hamburg. Als Klavierkomponist Bahnbrecher zu Sturm u. Drang u. zur Klassik. Pädagogisch u. hinsichtlich der Aufführungspraxis seiner Zelt bedeutend sein "Versuch übet die wahre Art, das Klavier zu spielen"; bedeutender Improvisator

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Johann Christoph Friedrich Bach

1732 Leipzig-1795 Bückeburg, Kapellmeister und Komponist, Sohn Joh. Seb. Bachs, bis zu seinem Tod am Bückeburger Hof. Hauptaugenmerk auf Kammermusik, komponierte auf Texte Herders eine verschollene Oper, eine Kantate und drei Oratorien.
Werke: Neben Kammermusik die erwähnten Oratorien "Die Kindheit Jesu", "Die Auferweckung Lazarus", Der Fremdling auf Golgatha"

Johann Christian Bach

1735 Leipzig-1782 London, Komponist, Sohn Joh. Seb. Bachs, Organist am Mailänder Dom, ab 1762 in London, begründete die Bach-Abel-Konzerte (Anfänge des öffentl. Konzertwesens), veröffentlichte Opern. Er gab Mozart vor allem den neapolitanischen Opern- und Instrumentalstil weiter (Pergolesis "singendes Allegro") sowie die Instrumentationsfarbigkeit der Mannheimer.
Werke: 90 Sinfonien, Konzerte für verschiedene Instrumente, Kammermusik, 11 Opern, 2 Oratorien, Kantaten, Arien
als Pianist: 1760 Domorganist in Mailand, 1762 in London Musikmeister der Königin u. seit 1764 mit Abel Leiter der Bach-Abel-Konzerte; komponierte Opern Kirchen- und Instrumentalmusik. Sein singendes Allegro" wirkte auf Mozart; bei dessen Londoner Aufenthalt 1763/64 nahm sich Bach seiner sehr an

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Johann Stamitz

1717 Havlickuv Brod-1757 Mannheim, tschech. Komponist und Violinist, Kapellmeister in Mannheim und verantwortlich für den großen Stellenwert, den das Orchester unter seiner Leitung (und noch darüber hinaus) hatte, 175 Kompositionen. Verdienste zur Entwicklung der Sonatenform, eine neue Orchesterführung, die beispielgebend in Europa wurde, mit charakteristischem Klang (Crescendo, Bläser, Kontraste, Wendungen) sowie eine frische und ursprüngliche Melodik zeichnen Stamitz aus (Mannheimer Schule).
Werke: 74 Sinfonien, Konzerte für Violine, Flöte, Oboe, Klarinette, Cembalo, Kammermusik, Motetten, eine Messe u.a.
als Solist: 1742 Geigenvirtuos in Frankfurt, seit 1745 Kpm, u. Kammermusikdirektor der Mannheimer Hofkapelle, die er zum Musterorchester seiner Zeit im neuzeitl. "Mannheimer" Instrumentalstil erzog

Giovanni Battista Pergolesi

1710 Jesi-begr. 1736 Pozzuoli (Neapel), ital. Komponist, 1931 erster Opernauftrag, Kpm. an verschiedenen Höfen. Enorme Wirkung auf Zeitgenossen – Klarheit der Form, Treffsicherheit in der Situationsschilderung und in der Charakterisierung, melodische Schönheit und Verbundenheit mit der Volksmusik seiner Heimat kennzeichnen Pergolesis Musik. Die erste Buffo-Oper überhaupt, "Die Magd als Herrin", behauptet sich auch heute noch auf dem Spielplan.
Werke: Sonaten, Violinkonzert, Opern, Intermezzi (siehe buffo), Oratorien, Messen (Stabat mater), Motetten, Kantaten, Arien

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