AnhangKatholische Liturgie Zeittafel
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Kirchenmusik |
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1.-3. Jh. Aus dem jüdischen Tempelgesang und der altgriechischen
Hymnik entwickelt sich der einstimmige (chorische und solistische Kultgeang. |
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16. Jh. Reformation und Gegenreformation.
Martin Luther (1483-1546) hat die Musikentwicklung innerhalb der lutherischen
Kirche ebenso entscheidend bestimmt wie Zwingli und besonders Calvin
die der reformierten: Während letztere nur den einstimmigen Gemeindegesang
gelten ließen, hat Luther die ganze reiche Tradition der altkirchlichen
Musik in den Dienst des neuen Bekenntnisses gestellt. Die evangelische
Musik der Reformationszeit besteht daher aus folgenden drei Faktoren:
1. dem liturgischen, einstimmigen Gesang auf der Grundlage der katholischen Gregorianik (Messe usw.), 2. der kunstmäßigen mehrstimmigen Messen- und Motettenmusik, 3. dem einstimmigen oder mehrstimmig gesetzten Lied. Luther wollte die Gemeinde aus einer (den Zeremonien der Messe gegenüber im wesentlichen) passiven zu einer aktiv mitwirkenden Gemeinschaft machen, Er schuf das protestantische Gemeindelied oder, wie es später wegen seiner "choralischen", d. h. einstimmigen Singweise genannt wurde, den protestantischen Choral. Seine Quellen sind neben volkssprachlichen, lateinischen oder gemischtsprachlichen geistlichen Volksgesängen früherer Jahrhunderte auch geistliche Lieder der Minne- und Meistersinger, das geistliche und weltliche Volkslied seiner Zeit. Jede "Weise" empfand man damals wie in der vorreformatorischen Zeit als ein unabhängiges Tongebilde. Dadurch erklären sich die vielen Liedparodien oder Kontrafakturen (Umdichtungen), z. B. Heinrich Isaaks Liedweise zu "Innsbruck, ich muß dich lassen", im 16. Jh. gesungen zu Johann Hesses "O Welt, ich muß dich lassen", im 17. Jh. auf Paul Gerhardts "O Haupt voll Blut und Wunden". Luthers eigene Liedschöpfungen haben im evangelischen Gottesdienst vielfach liturgische Bedeutung gewonnen, besonders die Verdeutschungen der alten lateinischen Messegesänge, wie des Credo ("Wir glauben all an einen Gott"), ganz lebendig blieben auch die Psalmdichtungen "Ein feste Burg" (ursprünglich wohl 1528/29 auf die Türkengefahr, den "alt bösen Feind", geschaffen, dann das Kampflied gegen den Papst) und "Aus tiefer Not". Schöpfer von frühen Choralmelodien nach Luthers Vorbild sind besonders: Johann Walther (1496-1570; Luthers musikalischer Berater), Martin Agricola (1486-1556), Nikolaus Hermann (1480-1561), Nikolaus Decius (1485 bis nach 1546). Die Choräle wurden einstimmig von der Gemeinde gesungen (ohne Orgelbegleitung, die erst im 17. Jh. aufkam) unter Führung der für die evangelische Kirchenmusik so wichtigen Schülerchöre und Kantoreien. Außerdem dienten sie als Cantus firmus für mehrstimmige Liedbearbeitungen. Zur Verbreitung der Kirchenlieder trug die junge Druckkunst in Einblattdrucken und vor allem in Liederbüchern erheblich bei, die aber ursprünglich für Pfarrer und Kantor, nicht für die Gemeinde bestimmt waren (z. B. Johann Walthers Sangbüchlein, Wittenberg 1524 [30 mehrstimmig gesetzte Lieder, darunter 23 von Luther, Grundstock aller späteren Liederbücher], Enchiridion bei Hans Lufft, Wittenberg 1526, erstes Gemeindegesangbuch). Die Polymetrik der alten Liedmelodien glättete sich allmählich zu einfacheren Rhythmen. Entsprechend trat neben den linear-polyphonen Liedstil (meist Cantus-firmus-Melodie im Tenor) der wesentlich homophone, schlichte "Kantionalsatz". Er verrät den Einfluß der Odenkomposition der Renaissancezeit. Eine wichtige (aber auch schon bei Johann Walther zeitweilig auftretende) Neuerung wurde die Verlegung der Choralmelodie aus dem Tenor in den Sopran im vierstimmigen Kantionaisatz (1586 Liedersammlung des Lucas Osiander [1534-1604]). Neben dem Lied - und es weit überwiegend - stehen kunstvolle Messen- und (meist lateinische) Motettenkompositionen (Hauptmeister der letzteren im Süden der wohl protestantische Leonhard Lecbner, 1555-1606; im Norden Philipp Dultchins, 1562-1631) im deutsch-niederländischen Figuralstil der Zeit. Unter dem Gedanken des allgemeinen Priestertums und infolge vorangegangener radikaler Änderungen der lateinischen Messeordnung in eine deutsche der Gemeinde, besonders durch Thomas Müntzer und Karlstadt, kam Luther zu seiner "Deutschen Messe" von 1525. Alle liturgischen Stücke sind entweder durch deutsche Lieder ersetzt oder mit der deutschen Sprache gemäßen Singweisen versehen worden. Die Messe wurde infolge der immer mehr ins Zentrum des Gottesdienstes tretenden Predigt jedoch zunehmend bedeutungslos. Wichtiger wurden die nach Lassos Vorbild gestalteten protestantischen wortausdeutenden Lied- und besonders Spruchmotetten (Johannes Eccard, Leonhard Lechner, Hans Leo Haßler, Michael Praetorius). Die Komposition biblischer Historien, besonders der Passion, gewann an Bedeutung. An Stelle der katholischen, reinen Choralpassion schuf Johann Walther erstmals 1550, auch im Lektionston, aber mit Einfügung schlicht-mehrstimmiger Turbaesätze (dramatisch bewegte Volkschöre), eine neue Form der Choralpassion. Neben ihr findet sich bis ins 17. Jh. die deutsche Figuralpassion, die den gesamten Passionstext motettisch durchkomponiert {Leonhard Lechner "Johannes- passion ",1594). 17. Jh. Orthodoxie und Mystik. Das 17. Jh. ist gekennzeichnet durch die Ausprägung der lutherischen Orthodoxie, die in der Kirchenmusik eine der Predigt gleichberechtigte Verkündigung des Wortes und eines mystischen Frömmigkeitsgefühls sah, musikalisch geprägt durch die Einwirkung der neuen Formen von Monodie, Konzert und Sololied und harmonischer Ausdrucksbereicherung (Chromatik) aus Italien. Der Thomaskantor Johann Hermann Schein (1586-1630) vereinigte in seinen Choralkonzerten Choral und italienischen Konzertstil. An Dramatisierung biblischer Texte in Motettenform steht Schein gleichwertig neben Schütz. Samuel Scheidt (1587-1654) wirkte neben seinen Orgelwerken durch seine geistlichen Konzerte besonders auf die norddeutschen Kantoren. Heinrich Schütz (1585 bis 1672), bei Giovanni Gabrieli und Monteverdi gebildet, stellte beider Ausdruckskraft ganz in den Dienst seiner streng lutherischen Richtung, verschmolz deutsche Polyphonietradition mit dem italienischen monodischen und konzertierenden Stil (Motetten, geistliche Konzerte). Besonders seine drei Passionen (1665/66) sind italienisch-monodischen Stil und chorale Traditionen vereinende Gipfel werke zugleich höchster Dramatik und strengster Liturgik. Die Passionen nach Schütz bahnten mit Einschiebung fromm-betrachtender solistischer Stellen in die Bibelerzählung den Weg zu Passionskantate und -Oratorium. Franz Tunder (1614-1667) wurde wegweisend mit der "Choral-Aria" (Solochoral mit obligater fünfstimmiger Instrumentalbegleitung). Johann Rudolf Ahle (1625-1673), Andreas Hammerschmidt (1612 bis 1675), Johann Christoph Bach (1642-1705) und Johann Michael Bach (1648 bis 1694) u. a. vereinigen in ihren geistlichen Dialogen Choral und Konzert. Johann Rosenmüllers (1620-1684) geistliche Solokantaten mit Rezitativ und Arie sind die Frucht seines langen Italienaufenthaltes. Sein Schüler Johann Philipp Krieger (1649-1725) wurde zu einem frühen Meister der Kirchenkantate, die in Dietrich Buxtehude (1637-1707) ihren ersten Gipfel erreichte und in dessen geistlichen Abendmusiken in der Lübecker Marienkirche zum geistlichen Musikdrama ausgebaut wurde. In England wurden Henry Purcells (1659-1695) Anthems Meisterwerke der Psalmkantate. Die Orgelmusik wurde durch den Niederländer Jan Pieterszon Sweelinck(1562-1621) zu selbständiger Kirchenkunst erhoben. Samuel Scheidt (1587 bis 1654) wurde wegweisend besonders durch seine Choralvariationen und Orgelchoräle. Sweelincks und Scheidts Tradition pflegten in Norddeutschland Jan Adams Reinken (1623-1722), Dietrich Buxtehude, Vincent Lübeck (1654 bis 1740), Georg Böhm (1661-1733), Nikolaus Bruhns (1665-1697) und viele andere. Neben der choralgebundenen Form fand auch die freie in Johann Pachelbel (1653-1706) einen Meister. Die Choralphantasie wurde immer mehr von dem Choralvorspiel abgelöst. Orthodoxie und Mystik prägten sich im Lied - nunmehr zum Sololied mit Generalbaßbegleitung geworden - aus in den zugleich mystischen und rationalistischen "Aria "-Dichtungen Johann Rists (1607-1667) und Heinrich Elmenhorsts und andererseits in Paul Gerhardts (1607-1676) kraftvollen Texten. Der "Paul Gerhardt der Musik" wurde Johann Crüger (1598-1662) in Berlin. - Die Abschleifung der Rhythmen alter Lieder zum isometrischen Gemeindegesang kennzeichnet dessen Tiefstand Ende des 17. wie im 18. und 19. Jh. 18. Jh. Krönung evangelischer Kirchenmusik. Mit Johann Sebastian Bach (1685-1750) erreichte die evangelische Kirchenmusik ihren ragenden Gipfel. Schon sein Amtsvorgänger im Leipziger Thomaskantorat, Johann Kuhnau (1660-1722), war mit Motetten und Kantaten hervorgetreten. Bachs mehr als 200 Kantaten steigerten mit den äußeren Mitteln auch die innere Intensität, ebenso seine Passionen, die h-Moll-Messe und seine gewaltigen Orgelwerke. Neben ihm ist Georg Philipp Telemann (1681-1767) mit 12 Kantatenjahrgängen, vielen Motetten, über 40 Passionen der bedeutendste evangelische Kirchenmusiker. Der Bach kongeniale Georg Friedrich Händel (1685 -1759) ist jedoch nur mit seinenAnthems zur Kirchenmusik zurechnen, während seine großartigen Oratorien nicht mehr kirchlichen Aufgaben dienen wollen, sondern Verkünder der allgemeinen Humanitätsreligion der Aufklärungszeit und national-englischer bürgerlicher Ziele sind. - Die Aufklärung dokumentiert sich nicht zuletzt in den allgemein religiös-moralischen Liedern Gellerts, Sie wurden in unzähligen Vertonungen von Philipp Emanuel. Bach über Johann Adam Hiller bis hin zu Haydn und Beethoven die Lieblingslieder ihrer Zeit. 19. und 20. Jh. Epigonentum und Nenaufschwung. Das 19. Jh. übernahm vom vergangenen Jahrhundertende eine völlige Stagnation der evangelischen Kirchenmusik. Orgelspiel und Choral schleppten sich in ausgetretenen Bahnen dahin, Lied und Oratorium waren der .Kirche entfremdet, mit Ausnahme von Mendelssohns "Elias" und "Paulus". Motetten und Kantaten haben kaum noch wirkliche Beziehung zur protestantischen Kirche. Auch Johannes Brahms' (1833-1897) Requiem, obwohl protestantisch in der Haltung, steht der Kirche fern. Seine Motetten dagegen und die Arnold Mendelssohns (1855-1933) eröffneten einen Neubeginn. Voran war die Musikforschung gegangen, die mit den wiederentdeckten kirchenmusikalischen Schätzen früherer Jahrhunderte auch die Geschichte des Choralgesangs vor Augen stellte und vor allem zur Wiederentdeckung der Werke von Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach führte. Spittas Bachbiographie war hierfür bahnbrechend. An Bach unmittelbar knüpfte Max Reger (1873-1916) an, der, obwohl Katholik, den protestantischen Geist seines Vorbildes wieder beschwor und mit den musikalischen Mitteln seiner Zeit zum Ausdruck brachte, sowohl in seinen Kantaten, Motetten, geistlichen Liedern und ganz besonders in seinen Orgelwerken, die den Choral wieder in den Mittelpunkt stellen. Zu Beginn des 20. Jh. weckte die Orgelbewegung den Sinn für den barocken und frühbarocken Orgelklang und für unkonzertmäßige protestantische Orgelmusik im Rahmen des Gottesdienstes. Die neue liturgische Bewegung der wiedererstarkten evangelischen Kirche rief auch auf diesem Gebiete die Tätigkeit der Komponisten ihrer Zeit wach. Auch die Singbewegung bahnte das Verständnis für die funktionelle Bedeutung des Liedes und wurde eine der Hauptwurzeln für die Revidierung des Gesangbuches. Das neue Evangelische Kirchengesangbuch, 1950 erschienen, belebt mit den alten rhythmisch bewegten Choralmelodien die Singfreude der Gemeinde wesentlich. Die evangelische Kirchenmusik der Gegenwart befriedigt in großen Formen von Oratorium und Kantate oder Motette die höchsten künstlerischen Ansprüche, verschmäht aber auch nicht schlichte Gebrauchsmusik. Die Hauptvertreter sind: Heinrich Kaminski (1886-1946) Johann Nepomuk David (*l895), Eberhard Wenzel (* 1896), Johannes Weyrauch (* 1897), Willy Burkhard (1900 bis 1955), Ernst Pepping (* 1901), Hans Friedrich Micheelsen (* 1902), Günter Raphael (* 1903), Kurt Thomas (* 1904), Hugo Distler (1908-1942), Kurt Fiebig (*19o8), Kurt Hessenberg (* 1908), Johannes Driessler (* 1921). |