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MinnesangWalther von der Vogelweide

um 1170 (wahrscheinlich Tirol) bis 1230 (Würzburg), deutscher Minnesänger. Er war ein Vertreter des klassischen Höhepunktes des deutschen Minnesanges. Da eine noch bis Anfang des 19. Jahrhunderts erhaltene Sammlung seiner Lieder verschollen ist, lassen sich nur drei in den Münsternschen Fragmenten (14./15. Jahrhundert) veröffentlichten Lieder authentisch nachweisen: Mir hat ein Licht von Vranken; Wie sollt ich den geminnen, der mir übel tut; Nu alerst lebe ich mir werde. Das wahrscheinlich 1228 komponierte "Palästina-Lied" musikalisch sehr bedeutend.

Weitere Informationen und Lieder: Minnesang im Mittelalter

(Nu) alerst lebe ich mir werde

Alerst lebe ich mir werde,

Allererst lebe ich mir wert,

sit min sündic ouge siht Seit mein sündig Auge sieht
daz here lant und ouch die erde das hehre Land und auch die Erde
der man vil der ehren giht. der man viel der Ehren sagt.
mirst geschehen des ich ie bat Mir ist geschehen des ich je bat:
ich bin komen an die stat Ich bin kommen an die Statt,
da got menischlichen trat. die Gott im Menschenleib betrat.
   
Schoeniu lant rich unde here, Schöne Lande, reich und hehre,
Swaz ich der noch han gesehen, was ich der noch hab gesehen,
so bist duz ir aller ere. so bist du's, ihr aller Ehre.
waz ist wunders hie geschehen! Was ist Wunders hie geschehen!
daz ein maget ein Kint gebar Daß eine Magd ein Kind gebar
here über aller engel schar hehr über aller Engel Schar,
waz daz niht ein wunder gar? war das nicht ein Wunder gar?
   
Hie liez er sich reine toufen, Hie ließ sich der Reine taufen,
daz der mensche reine si. daß der Mensch rein sei.
do liez er sich hie verkoufen, Dann ließ er sich hier verkaufen
daz wir eigen wurden fri. daß wir Eigne wurden frei.
anders waeren wir verlorn. Anders wären wir verloren.
wol dir, sper, kriuz unde dorn! Wohl dir, Speer, Kreuz und Dorn!
we dir. heiden! deist dir zorn. Weh dir Heide! das ist dir Zorn. (ein Ärgernis)
   
Do er sich wolte über uns erbarmen, Da er sich wollte über uns erbarmen,
hie leit er den grimmen tot, hie litt er den grimmen Tod
er vil riche über uns vil armen, der viel Reiche über uns viel Armen!
daz wir kaemen uz der not.

daß wir kämen aus der Not.

daz in do des niht verdroz, Daß ihn da des nicht verdroß,
dast ein wunder alze groz, das ist ein Wunder allzu groß,
aller wunder übergnoz. aller Wunder Übergenoß
   
Hinnen fuor der sun zer helle Von hie fuhr der Sohn zu Hölle
von dem grabe, da'r inne lac. von dem Grabe, da er inne lag.
des was se der vater geselle Des war je des Vaters Geselle,
und der geist, den nieman mac und der Geist, den niemand mag (kann)
sunder scheiden: est al ein, von ihn' scheiden: es ist all eins,
sleht und ebener danne ein zein, schlicht und ebener denn ein Stab, —
als er Abrahame erschein. wie er Abraham erschien.
   
Do er den tievel do geschande, Da er den Teufel da geschänd'te,
daz nie keiser baz gestreit, daß nie Kaiser besser stritt,
do fuor er her wider ze lande, da fuhr er her wieder zu Lande.
do huop sich der juden leit, Da hub sich der Juden Leid,
daz er herre ir huote brach, daß der Herr ihre Hut brach,
und daz man in sit lebendic sach, und daß man ihn seit lebend sah,
den ir hant sluoc unde stach. den ihre Hand schlug und stach.
   
Dar nach was er in dem lande Danach war er in dem Lande
vierzic tage: do fuor er dar vierzig Tage: Dann fuhr er dar, (dahin)
dannen in sin vater sande. von wo ihn sein Vater sandte.
sinen geist, der uns bewar, Seinen Geist, der uns bewahr,
den sant er hin wider zehant. den sandt er hin wieder zuhand.
heilic ist daz selbe lant: Heilig ist dasselbe Land:
sin name der ist vor gote erkant. Sein Name der ist von Gotte erkannt.
   
In diz lant hat er gesprochen In dies Land hat er gesprochen
einen angestlichen tac, einen ängstlichen Tag:
da diu witwe wirt gerochen da die Witwe wird gerochen
und der weise klagen mac und der Waise klagen mag
und der arme den gewalt und der Arme die Gewalt
der da wirt mit ime gestalt. die da wird mit ihm getan.
wol im dort, der hie vergalt! Wohl dem dort,der hie entgalt!
   
Unser lantrehtaere tihten Unser Landrichter Dichten (Tüfteln)
fristet da niemannes klage: fristet da niemandes Klage: (hält auf)
wan er wil zestunden rihten. denn Er will zustund da richten,
so ez ist an dem lesten Tage: so ist es an dem letzten Tage:
und swer deheine schulde hie lat und der e i n e Schuld hie hat
unverebenet, wie der stat nicht beglichen, wie der steht,
dort da er pfant noch bürgen hat! daort da er nicht Pfand noch Bürgen hat!
   
Ir enlat iuch niht verdriezen Ihr laßt euch es nicht verdrießen,
daz ich noch gesprochen han. daß ich nun gesprochen hab.
so wil ich die rede besliezen So will ich die Rede beschließen
kurzlich, und iuch wizzen lan, kürzlich, und euch wissen lassen,
swaz got mit der welte ie was Gott mit der Welt je
............................begie, ..........................beging,
daz huop sich dort und endet hie. das h u b sich dort und e n d e t  h i e.
   
Kristen, juden und die heiden, Christen, Juden und die Heiden
jehent daz diz ir erbe si: sprechen, daß dies ihr Erbe sei:
got muez ez ze rehte scheiden Gott müß' es zu recht entscheiden
durch die sine namen dri. um Willen seiner Namen drei.
al diu werlt diu streitet her: All die Welt die streitet her:
wir sin an der rehten ger: wir sind an der rechten Gehr (Anspruch):
reht ist daz er uns gewer. recht ist, daß er uns gewähr.

 



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