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Hamburg und seine Hafenanlage

Mehr als 400 Jahre übte der Bund der freien Hansestädte einen gewaltigen Einfluß in Europa aus und als 1669 die von den Zeitverhältnissen überholte Hansa sich auflöste, blieben als eine Art reliquie die drei Hauptstädte als souveräne Reichsstädte übrig. Anfangs lebten sie in treuer Bundesgenossenschaft, zu welchen Verhältnisse allerdings die gemeinschaftliche freie reichsstädtische Stellung dieselben hingedrängt hatte. Aber mit der Gewalt ihrer Sonderinteressen hatte die neue Zeit das Freundschaftsband der drei Hansestädte gelöst und verwies jede derselben auf eigenen Weg.
Mittlerweile hat aber die geschichte die Rollen unter den drei Hauptstädten verteilt. Nicht mehr die Ostsee, sondern die Nordsee und der Atlantische Ozean ist der Lebensnerv. Das alte Haupt der Hansa, Lübeck, sank und dem geographisch günstig gelegenen Hamburg war beschieden, die Führerrolle zu übernehmen. Aber nicht seine geographische Lage allein, sondern seine historische und politische Entwicklung und die unentwegte Tatkraft seiner Bewohner haben im gleichem Maße den Grund zu seiner Bedeutung gelegt.

Die Entwicklung Hamburgs bis zur Gegenwart im Zusammenhang mit den politischen Ereignissen zu verfolgen, dazu fehlt es uns an Raum. Wir begnügen uns hier, seine in den letzten 50 Jahren ausgebauten Häfen zu betrachten.

Die Hafenanlagen erstrecken sich von der Altonaer Grenze bis zu den Elbbrücken, in einer Ausdehnung von ca. 5 km, bei einer Gesamtwasserfläche von ca. 460 ha. Der überwiegende Teil der Häfen wurde nach vollzogenen Zollanschluß im Jahre 1888 zum Freihafen erklärt, und mit einer wohlbewachten Zollgrenze umgeben. Der Freihafen umfaßt außer den eigentlichen Hafenanlagen große Quartiere für Warenspeicher, Fabriken und Werften. Seine Grenze ist am Lande mit einem Gitter bzw. einer Planke und in der Elbe in Gestalt von schwimmenden Palisaden versehen und an Wasser und zu Lande mit Zollabfertigungsstellen besetzt.
Im Freihafen liegen südlich vom Zollkanal an besonderen Fleeten die Blocks der Freihafenspeicher, die hauptsächlich der zollfreien lagerung der Waren dienen. Die Kanäle, an denen diese Speicher liegen, haben in erinnerung an den hier früher gelegenen, von über 17. 000 Menschen bewohnten alten Stadtteil und dessen alte Fleete die Namen der letzteren erhalten. Die Kanäle sind nur für den Flußschiffsverkehr, vor allem den Schutenverkehr bemessen, und die Speicher sind, ebenso wie die alten in der Stadt, für den unmittelbaren Verkehr mit den Seeschiffen nicht bestimmt.

An die Freihafenspeicherblocks schließt sich das den größten Teil des Freihafens einnehmende Gebiet der Seeschiffhäfen nebst deren Quaianlagen an, von denen der älteste, der Sandtorhafen mit dem Sandtorqai, im Jahre 1866 dem Verkehr übergeben wurde. Das südliche Ufer des Sandtorhafens, der Kaiserquai, bildet mit dem Dalmanquai, dem nördlichen Ufer des Grasbrookhafens, eine sogenannte Quaizunge. Diese Anlagen wurden im Jahre 1872 eröffnet. Im Jahre 1877 folgte ihnen das Südufer des Grasbrookhafens, der Hübenerquai, und 1879 der am Ufer der Elbe gelegene Strandquai. Der Magedurger Hafen wurde 1881 eröffnet. An der Spitze der Quaizunge des Kaiser- und Dalmanquai, am Kaiserhöft, befindet sich ein am tiefen Wassser gelegener, also Seeschiffen zugänglicher Speicher mit 17. 400 qm Lagerfläche, und am Brooktorhafen ein zweiter mit 15. 000 qm Fläche. Der Speicher am Kaiserhöft liegt an einer sehr hervortretenden Stelle des ganzen Hafens; er ist architektonisch behandelt und mit einem kraftvoll hohen Turm versehen, der einen selbsttätigen Wasserstandsanzeiger in der Gestalt einer Turmuhr und dem Hamburger Zeitball trägt. Der Zeitball dient zum Signalisieren der genauen Greenwicher Zeit. Die Seefahrer kontrollieren hiernach ihre Schiffschronometer. Der Zeitball steht mit der Hamburger Sternwarte in elektrischer Verbindung. Täglich um etwa 10 Minuten vor 1 Uhr wird der Ball halb, um ca. 5 Minuten vor 1 Uhr ganz hochgezogen, und punkt 1 Uhr mittags mitteleuropäischer Zeit (also 12 Uhr mittags Grenwicher Zeit) fällt der Ball von der Höhe wiederin seine Ruhelage zurück. Ende der achtziger Jahre begannen Veränderungen, die durch den Zollanschluß veranlaßt wurden und zugleich eine den Anforderungen des wachsenen Verkehrs gerecht werdene Ausgestaltung des Hamburger Hafens bezweckten. So entstand am Nordufer des Elbstromes und östlich der älteren Hafenbecken der im Jahre 1887 eröffnete Baakenhafen mit dem Versmann- und Petersenquai. Letzterer bildet zusammen mit dem am Elbufer liegenden Kirchenpauerquai eine 1300 m lange Quaizunge. Diese drei Quais wurden in den Jahren 1888, 1891, 1892 eröffnet und werden heute vollständig ausgenutzt.

Am Südufer der Elbe finden wir den 300 m breiten und 400 m langen Segelschiffhafen. mit dem Asia- und Amerikaquai. Hier hat der Mastenwald seine Heimstädte. Vor dem Zollanschluß lagen die Segelschiffe im Niederhafen. Der Segelschiffhafen dient aber auch den Seedampfern zur Benutzung und wurde 1888 nebst dem Amerikaquai eröffnet. Der an seinem Ende liegende kürzere "Segelschiffquai" wurde 1889 und der Asiaquai 1890 ausgebaut und in Benutzung genommen.
Am Ufer der Elbe bei der Einfahrt in den Segelschiffhafen am Kranhöft, steht der größte Kran des Hafens, der eine Tragfähigkeit von 150 t oder 3. 000 Zentnern besitzt und mit seinem 34 m hohen Gerüst die ganze Umgebung beherrscht.
Der stromabwärts auf den Segelschiffhafen folgende Hansahafen und der an gleicher Einfahrt liegende Indiahafen wurden 1893 fertiggestellt; der am ersteren gelegene D' Swaldquai, wie auch der Australia-, India und der Afrikaquai an letzterem waren 1894 vollendet. Nun reiht sich der aus dem Jahre 1876 stammende Petroleumhafen an, dessen Einfahrt gegen die Elbe mit einem feuersicheren Abschluß versehen ist. Stromaufwärts von dieser Gruppe linkselbischer Seeschiffhäfen sind drei Flußschiffhäfen, der Moldau-, Saale- und Spreehafen angeordnet.

Stromabwärts aber ersttreckt sich ein von Kanälen durchzogenes, von dem Elbarme "Reihersteig" durchflossenes Hafengebiet, kleiner Grasbrook und Steinwärder genannt, das den auf das Freihafengebiet angewiesenen industriellen Anlagen, sowie einer Anzahl privater Lagerschuppen und Speicher Platz gewährt. Hier liegen die Schiffswerften mit ihren Hellingen und Schwimmdocks zum Bau und zur Reparatur der Seeschiffe. Die bedeutendste ist die im Westen auf Kuhwärder liegende Werft von Blohm und Voß, welche Einrichtungen für den Bau der größten Handels- und Kriegsschiffe besitzt und über 4. 000 Arbeiter beschäftigt.
Seit drei Jahren bietet sich aber auch von hier aus ein imposanter Anblick. In der Sonne blitzen die Dächer und vielgestalltigen Türme einer neuen Stadt von Speichern und Lagerschuppen, überragt von Masten, Schornsteinen und der vom Kiel sieben Stockwerk hohen Kommandobrücke der Riesendampfer der Hamburg-Amerika-Linie. Es sind die neuen Kuhwärderhäfen mit ihren Quaianlagen, die am 20. Juni 1903 durch Seine Majestät den Deutschen Kaiser eröffnet und ihrem gewaltigen Verkehr übergeben wurden. Von den drei Hafenbecken, die auf Kuhwärder angelegt wurden, dienen der Kaiser Wilhelm Hafen (22, 6 ha) und der Ellerholzhafen (30,9 ha) den Bedürfnissen der Hamburg-Amerika-Linie. Beide haben eine Tiefe von 10 m unter Hochwasser, d. h. ebensoviel als die vollbeladenen großen Amerikadampfer der Gesellschaft Tiefgang haben. Die Quaianlagen, welche die Hafenbecken begrenzen, erstrecken sich über 8,4 km; die neuen Schuppen am Kaiser Wilhelm- und Ellerholzhafen, die größten im ganzen Hamburger Hafen, sind einzeln 53 1/2 bis 61 1/2 m breit, je bis zu 400 m lang und bieten zusammen eine Gesamtlagerfläche von 137. 500 qm. Einen guten Begriff von der Betriebsamkeit der neuen Häfen geben auch die Zahlen der maschinellen Lösch- und Ladevorrichtungen, die hier zu finden sind: es arbeiten 119 fahrbare elektrisch Kräne von je 3. 000 kg Tragkraft, 18 elektrische Wandkräne von 2560 kg, je ein elektrischer Kran von 75 t, von 20 t und von 10 t und drei Kohlenkipper für Eisenbahnwagenladungen. Die Ladezeit ist hierdurch von vielen Tagen auf Stunden zurückgegangen. Elektrizität und Dampf vereint, bewältigen eine von New York eintreffene Schiffsladung von 35 Güterzügen a 40 Doppelwaggons in weniger als zwei Tagen.

Alles in allem ist heute Hamburg nicht bloß der erste Handelsplatz Deutschlands, sondern auch der größte Seehafen des Kontinents. Hamburg ist mit Erfolg bemüht gewesen, den wachsenen Ansprüchen der Schiffahrt gerecht zu werden, seinen Hafen hat es stets dieser Schiffahrt entsprechend auszugestalten gewußt, und nur wenige andere Häfen der Erde können sich mit ihm vergleichen.

Quelle:"Die Flotte", 9. Jahrgang, April 1906; Jadu 2000

An der Hamburger Kaffeebörse

Eine Geschichte zwischen Hamburger Freihafen, Zoll und Schmuggel

Diashow vom Hamburger Hafen

 


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