Hamburg und seine Hafenanlage
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Mehr als 400 Jahre übte der
Bund der freien Hansestädte einen gewaltigen Einfluß in Europa
aus und als 1669 die von den Zeitverhältnissen überholte Hansa
sich auflöste, blieben als eine Art reliquie die drei Hauptstädte
als souveräne Reichsstädte übrig. Anfangs lebten sie in
treuer Bundesgenossenschaft, zu welchen Verhältnisse allerdings die
gemeinschaftliche freie reichsstädtische Stellung dieselben hingedrängt
hatte. Aber mit der Gewalt ihrer Sonderinteressen hatte die neue Zeit
das Freundschaftsband der drei Hansestädte gelöst und verwies
jede derselben auf eigenen Weg. Die Entwicklung Hamburgs bis zur Gegenwart im Zusammenhang mit den politischen Ereignissen zu verfolgen, dazu fehlt es uns an Raum. Wir begnügen uns hier, seine in den letzten 50 Jahren ausgebauten Häfen zu betrachten. Die Hafenanlagen erstrecken sich
von der Altonaer Grenze bis zu den Elbbrücken, in einer Ausdehnung
von ca. 5 km, bei einer Gesamtwasserfläche von ca. 460 ha. Der überwiegende
Teil der Häfen wurde nach vollzogenen Zollanschluß im Jahre
1888 zum Freihafen erklärt, und mit einer wohlbewachten Zollgrenze
umgeben. Der Freihafen umfaßt außer den eigentlichen Hafenanlagen
große Quartiere für Warenspeicher, Fabriken und Werften. Seine
Grenze ist am Lande mit einem Gitter bzw. einer Planke und in der Elbe
in Gestalt von schwimmenden Palisaden versehen und an Wasser und zu Lande
mit Zollabfertigungsstellen besetzt. An die Freihafenspeicherblocks schließt sich das den größten Teil des Freihafens einnehmende Gebiet der Seeschiffhäfen nebst deren Quaianlagen an, von denen der älteste, der Sandtorhafen mit dem Sandtorqai, im Jahre 1866 dem Verkehr übergeben wurde. Das südliche Ufer des Sandtorhafens, der Kaiserquai, bildet mit dem Dalmanquai, dem nördlichen Ufer des Grasbrookhafens, eine sogenannte Quaizunge. Diese Anlagen wurden im Jahre 1872 eröffnet. Im Jahre 1877 folgte ihnen das Südufer des Grasbrookhafens, der Hübenerquai, und 1879 der am Ufer der Elbe gelegene Strandquai. Der Magedurger Hafen wurde 1881 eröffnet. An der Spitze der Quaizunge des Kaiser- und Dalmanquai, am Kaiserhöft, befindet sich ein am tiefen Wassser gelegener, also Seeschiffen zugänglicher Speicher mit 17. 400 qm Lagerfläche, und am Brooktorhafen ein zweiter mit 15. 000 qm Fläche. Der Speicher am Kaiserhöft liegt an einer sehr hervortretenden Stelle des ganzen Hafens; er ist architektonisch behandelt und mit einem kraftvoll hohen Turm versehen, der einen selbsttätigen Wasserstandsanzeiger in der Gestalt einer Turmuhr und dem Hamburger Zeitball trägt. Der Zeitball dient zum Signalisieren der genauen Greenwicher Zeit. Die Seefahrer kontrollieren hiernach ihre Schiffschronometer. Der Zeitball steht mit der Hamburger Sternwarte in elektrischer Verbindung. Täglich um etwa 10 Minuten vor 1 Uhr wird der Ball halb, um ca. 5 Minuten vor 1 Uhr ganz hochgezogen, und punkt 1 Uhr mittags mitteleuropäischer Zeit (also 12 Uhr mittags Grenwicher Zeit) fällt der Ball von der Höhe wiederin seine Ruhelage zurück. Ende der achtziger Jahre begannen Veränderungen, die durch den Zollanschluß veranlaßt wurden und zugleich eine den Anforderungen des wachsenen Verkehrs gerecht werdene Ausgestaltung des Hamburger Hafens bezweckten. So entstand am Nordufer des Elbstromes und östlich der älteren Hafenbecken der im Jahre 1887 eröffnete Baakenhafen mit dem Versmann- und Petersenquai. Letzterer bildet zusammen mit dem am Elbufer liegenden Kirchenpauerquai eine 1300 m lange Quaizunge. Diese drei Quais wurden in den Jahren 1888, 1891, 1892 eröffnet und werden heute vollständig ausgenutzt. Am Südufer der Elbe finden
wir den 300 m breiten und 400 m langen Segelschiffhafen. mit dem Asia-
und Amerikaquai. Hier hat der Mastenwald seine Heimstädte. Vor dem
Zollanschluß lagen die Segelschiffe im Niederhafen. Der Segelschiffhafen
dient aber auch den Seedampfern zur Benutzung und wurde 1888 nebst dem
Amerikaquai eröffnet. Der an seinem Ende liegende kürzere "Segelschiffquai"
wurde 1889 und der Asiaquai 1890 ausgebaut und in Benutzung genommen. Stromabwärts aber ersttreckt
sich ein von Kanälen durchzogenes, von dem Elbarme "Reihersteig"
durchflossenes Hafengebiet, kleiner Grasbrook und Steinwärder genannt,
das den auf das Freihafengebiet angewiesenen industriellen Anlagen, sowie
einer Anzahl privater Lagerschuppen und Speicher Platz gewährt. Hier
liegen die Schiffswerften mit ihren Hellingen und Schwimmdocks zum Bau
und zur Reparatur der Seeschiffe. Die bedeutendste ist die im Westen auf
Kuhwärder liegende Werft von Blohm und Voß, welche Einrichtungen
für den Bau der größten Handels- und Kriegsschiffe besitzt
und über 4. 000 Arbeiter beschäftigt. Alles in allem ist heute Hamburg nicht bloß der erste Handelsplatz Deutschlands, sondern auch der größte Seehafen des Kontinents. Hamburg ist mit Erfolg bemüht gewesen, den wachsenen Ansprüchen der Schiffahrt gerecht zu werden, seinen Hafen hat es stets dieser Schiffahrt entsprechend auszugestalten gewußt, und nur wenige andere Häfen der Erde können sich mit ihm vergleichen. Quelle:"Die Flotte", 9. Jahrgang, April 1906; Jadu 2000 |
Eine Geschichte zwischen Hamburger Freihafen, Zoll und Schmuggel
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