|
Wenn von den großen transatlantischen Passagier- und Frachtdampfern
des Norddeutschen Lloyd die Rede ist, hat man zu unterscheiden zwischen
den Schnelldampfern, den Dampfern der sogenannten „Bremen”-Klasse
und einer Reihe von Schiffen, welche in vergrößerter und verbesserter
Form aus dem Typ der letzteren hervorgegangen sind. Die Aufgaben, die
sie innerhalb des Riesenbetriebes des Norddeutschen Lloyd zu erfüllen
haben, sind verschieden. Die Schnelldampfer dienen, wie schon ihre Bezeichnung
erkennen läßt, dem Schnellverkehr zwischen Bremen-Newyork und
umgekehrt. Sie sind hauptsächlich für den Passagierverkehr berechnet,
während sie zur Frachtbeförderung nur in beschränktem Maße
Verwendung finden. Anders dagegen die Dampfer der sogenannten „Bremen”-Klasse
und ihre Nachfolger. Diese Schiffe ermöglichen eine weitgehende Ausnutzung
der umfangreichen Schiffsräume für Ladungszwecke und lassen
außerdem noch die Unterbringung einer großen Anzahl von Passagieren
zu.
Die
Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd durcheilen mit einer Geschwindigkeit
von ca. 23 bis 23 1/2 Meilen pro Stunde den Ozean und legen die Strecke
vom Kanal bis zur Hudsons-Bay in etwa 5 1/2 Tagen, die ganze Reise von
Bremerhaven bis Newyork in 7 Tagen zurück. Ihre Benutzung zur Überfahrt
ist allen solchen Reisenden zu empfehlen, denen daran gelegen ist, so
schnell wie möglich über den Ozean zu gelangen.
So
interessant eine Reise mit einem dieser gewaltigen „Ozeanwindhunde”
nun auch ist und so regelmäßig sich auch die Abwicklung ihrer
Reisen gestaltet — dennoch gibt es eine große Zahl von Reisenden,
welche bei einer Fahrt „über den großen Teich”
mehr auf Behaglichkeit und Ruhe an Bord als auf Schnelligkeit Wert legen.
Sie ziehen daher vielfach die großen Doppelschrauben-Salonpost-Dampfer,
von denen der Norddeutsche Lloyd in den Dampfern der „Bremen”-Klasse
und deren Nachfolgern eine ganze Reihe besitzt, den Schnelldampfern vor.
Die Überfahrt mit diesen Schiffen dauert 2 - 3 Tage länger als
mit den Schnelldampfern und verläuft in der Regel so angenehm, daß
man auch die Ozeanreise als ein kurzweiliges Vergnügen bezeichnen
kann, zumal diese Dampfer die Vorzüge einer außerordentlich
ruhigen Fahrt, einer komfortablen Einrichtung und einer durchweg sympathischen
Reisegesellschaft bieten. Darauf ist denn auch die besondere Gunst, deren
sich diese Schiffe bei den transatlantischen Reisenden erfreuen, zurückzuführen.
Im
Laufe der Jahre hat der Norddeutsche Lloyd eine ganze Anzahl von großen
Schiffen dieser Art in Dienst gestellt, bei deren Bau in erster Linie
folgende Prinzipien maßgebend gewesen sind:
1. größtmögliche Sicherheit,
2. ein über die früheren Maße bei weitem hinausgehender
Raumgehalt,
3. größtmögliche Ausnutzung des Raumgehalts für
Ladungszwecke und
4. völlige Trennung der Passagier-Einrichtungen von den Mannschafts-
und Laderäumen.
Die
ersten Schiffe dieser Art waren die Doppelschrauben-Salonpost-Dampfer
„Bremen”, „Barbarossa”, „Königin Luise”
und „Friedrich der Große” mit einem Brutto-Raumgehalt
von je über 10000 Tons. Die Erfolge, welche sich gleich von vornherein
bei der Einstellung dieser Dampfer eben sowohl im atlantischen Verkehr,
wie insbesondere im Verkehr auf den Reichspostdampferlinien ergaben, führten
zum weiteren Ausbau dieses Typs in den Dampfern „König Albert”,
„Prinzess Irene” und „Prinzess Alice”, denen dann
der noch um 3000 Tons größere und mit dementsprechend vermehrten
Passagier - Einrichtungen versehene Dampfer „Großer Kurfürst”
folgte. Die neuesten aus dem obengenannten Typ hervorgegangenen Schiffe
sind die beiden mehr als 17000 Br.-Reg.-Tons großen Dampfer „Prinz
Friedrich Wilhelm” und „Berlin”, die jedoch schon so
erhebliche Abweichungen und Verbesserungen gegenüber dem Urtyp haben,
daß sie kaum noch mit ihm etwas gemein haben.
Der
neueste, modernste und größte Dampfer des Norddeutschen Lloyd,
der Doppelschraubendampfer „George Washington”, mit einem
Raumgehalt von 25570 Br.-Reg.-Tons bildet einen Typ für sich, obgleich
die Prinzipien, nach denen dies Schiff erbaut ist, im wesentlichen dieselben
sind, wie bei den vorgenannten Dampfern.
Es
ist ganz natürlich, daß je größer und länger
die Schiffe sind, sie um so weniger ein Spielball der Wellen sein können.
Ihre Fahrt ist dadurch auch wesentlich ruhiger, als die kleinerer Fahrzeuge.
Dieser Vorzug tritt namentlich bei stürmischem Wetter in Erscheinung.
Auf den großen Dampfern merkt der Reisende kaum etwas von den Unbilden
der Witterung. Er kann sich, wenn ihm der Aufenthalt auf Deck ungemütlich
wird, in die der gemeinsamen Benutzung gewidmeten Gesellschaftsräume
oder in seine Kabine zurückziehen. In ersteren wird es ihm niemals
an Unterhaltung fehlen, während die Kabine ihm alle möglichen
Bequemlichkeiten bietet, wenn ihn einmal die Seekrankheit befallen hat
oder er der Ruhe pflegen will. Bei schönem Wetter kommt dies alles
nicht sonderlich in Frage. Jeder Reisende wird dann danach trachten, sich
am Tage soviel wie möglich an Deck aufzuhalten und sich der Majestät
des Meeres zu freuen, die frische Seeluft zu genießen oder auch
sich die Zeit durch die beliebten Bordspiele und sonstige Unterhaltung,
an der es nie fehlt, zu vertreiben. Die geräumigen Promenadendecks,
mit denen die in gewaltigen Deckshäusern untergebrachten Passagierräume
auf allen modernen Dampfern in unmittelbarer Verbindung stehen, bieten
die beste Gelegenheit dazu. Selbst bei rauhem Wetter und grober See ermöglicht
das Promenadendeck einen nicht nur ganz sicheren, sondern auch geschützten
Aufenthalt in frischer Luft. Die bedeutende Höhe der Schiffe läßt
nur selten einen Spritzer heraufdringen, und vor Regen und Wind bieten
das Sonnendach und die Aufbauten, sowie die von dem Leiter der Passageabteilung
des Norddeutschen Lloyd, Herrn Direktor von Helmolt, erfundenen Windschutz-Vorrichtungen
wesentlichen Schutz. Abends sind die Promenadendecks ebenso wie sämtliche
Schiffsräume elektrisch beleuchtet.
Der
Ausstattung der Kajütenräume hat der Norddeutsche Lloyd besonders
in neuerer Zeit ganz besondere Sorgfalt zugewandt. Als schönes Ergebnis
harmonischer Zusammenarbeit von Ingenieur und Künstler stellt sich
die architektonische Innenausstattung dar, die nicht nur in den Räumen
der I. Klasse in vollendeter Formenschönheit zur Geltung kommt, sondern
auch in der II. Klasse das Gepräge eines feinen Geschmacks trägt.
Die
Speisesäle der I. Klasse sind durchweg geräumig und zeichnen
sich durch gute Ventilation aus. Durch Lichtschächte, die in schönster
Ornamentierung ausgeführt sind, erhalten die Räume das Tageslicht,
abends werden sie durch elektrische Lampen erhellt.
Die
Salons sind mit besonders feinem zeitgemäßen Geschmack ausgestattet.
Die Wände zieren Gemälde von namhaften Künstlern. Bequeme
Polstermöbel verleihen den Räumen den Stempel größter
Behaglichkeit. Für Musikliebhaber sind in den Salons wertvolle Konzertflügel
oder Pianinos aufgestellt, auf einzelnen Dampfern befinden sich außerdem
noch Mignon-Instrumente, die zu bestimmten Tagesstunden für musikalische
Unterhaltung der Passagiere sorgen. Ferner hat jeder Dampfer eine reich
ausgestattete Bibliothek. Die Einrichtungen der Rauchzimmer sind zum Teil
wahre Kabinettstücke deutscher Schiffsarchitektur.
Die
Kabinen der I. Klasse sind äußerst komfortabel eingerichtet;
sie werden dadurch den höchsten Anforderungen gerecht. Die Einrichtung
der Kabinen besteht aus eisernen Bettstellen, Schlafsofas, Kleiderschränken,
Waschtischen, Kommoden und kleinen Tischen. Die auf den folgenden Seiten
bei den einzelnen Dampfern angegebenen Ziffern für I. Klasse entsprechen
der Zahl der vorhandenen eisernen Betten. Die außerdem vorhandenen
Schlafsofas und Kinderbetten werden nur im Bedarfsfalle benutzt, jede
Kabine ist mit elektrischer Klingelanlage und einem Ventilator versehen.
Die sogen. Kaiserzimmer auf den Schnelldampfern und dem D. „George
Washington” bestehen aus Wohnzimmer, Frühstückszimmer,
Schlafzimmer und Badezimmer. Sie sind mit äußerster Eleganz
ausgestattet. Die Luxuskabinen bestehen aus Schlafzimmer mit daneben liegendem
Badezimmer. Auch die Bequemlichkeit und Behaglichkeit der Salon-Einrichtungen
der II. Kajüte verdienen hervorgehoben zu werden. Sie sind, wenn
auch einfacher als die der I. Klasse, so doch sehr geschmackvoll und vornehm
ausgestattet. Das gleiche gilt von den Schlafkabinen der II. Klasse.
In
der I. wie in der II. Klasse sind für die Passagiere Badezimmer in
großer Anzahl und mit allen praktischen Einrichtungen vorhanden.
Auf
die Sicherheitsmaßregeln ist bei den Schiffen des Norddeutschen
Lloyd die erdenklichste Sorgfalt verwandt worden. Die Dampfer sind mit.
allen Erfindungen der Neuzeit auf diesem Gebiete, speziell mit drahtloser
Telegraphie und Unterwasserglocken - Signalapparaten, Schottenschließ-Vorrichtungen,
Feuer- Alarm- und Lösch - Einrichtungen usw. ausgestattet.
Ein
ganzes Heer von Stewards (Aufwärtern) und Stewardessen steht den
Passagieren zur Bedienung zur Verfügung.
Jedes Schiff hat einen approbierten Arzt an Bord, welcher den auf der
Reise erkrankten Passagieren ohne Entgelt ärztliche Behandlung angedeihen
läßt.
Die Verpflegung auf den Dampfern des Norddeutschen Lloyd ist als ausgezeichnet
bekannt. Sie läßt weder in bezug auf Mannigfaltigkeit noch
in bezug auf Zubereitung der Speisen etwas zu wünschen übrig.
Durch ihre ruhige Fahrt sowie durch den außerordentlichen Komfort,
den die Passagier-Einrichtungen bieten, haben die Doppelschrauben-Salonpost-Dampfer
des Norddeutschen Lloyd sich ebensosehr die Gunst der Reisenden erworben,
wie die Schnelldampfer.
Die Fahrpreise sind aus besonderen Prospekten zu ersehen, die vom
NORDDEUTSCHEN LLOYD · BREMEN
Abteilung Passage · Papenstraße Nr. 9
oder von sämtlichen Agenturen der Gesellschaft im In- und Ausland
zu beziehen sind.
|